Salon

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Rezensionen

Gerne stelle ich Ihr Buch vor.

19. Mai 2013

Sabine Sigl, Diva Liebe. Unerwartet eins.



Sissy Sander hätte wirklich das Zeug, um zur Champagner-, Prada- und High-Heels-Fraktion zu gehören: Single, hübsch, erfolgreiche Nachrichtensprecherin bei einem Radiosender, witzig und klug. Doch das will sie einerseits gar nicht (na ja, vielleicht einmal im Jahr) und andererseits hat Sissy mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Da ist ihr neuer Chef, der kein gutes Haar an ihrer Arbeit lässt, und da sind Schatten aus ihrer Vergangenheit, die Sissy nicht zur Ruhe kommen lassen. Und da ist ihr Selbstwert. Jämmerlich und klein.
Was nützt es Sissy, in so einer Situation ihrem Traummann über den Weg zu laufen? Dabei ist Alessandro DeMonti, italienisch-stämmiger Österreicher, vermutlich der tollste, schönste und klügste Mann auf dieser blauen Kugel.
Was Sissy nicht wissen kann, ist außerdem, dass ein elendes Pack an Taugenichtsen – sie nennen sich selbst die „Reiter der täglichen Apokalpyse“ – aus Aletheia beschließt, sich genau ihre Radioredaktion vorzuknöpfen. Super. Angst, Wut, Zorn, Ärger und Neid fallen über die ahnungslosen Redaktionsmitglieder her.
Zum Glück existieren in Aletheia, einer geheimnisvollen Simultanwelt, aber auch ganz andere Geschöpfe. So erhält Sissy unerwartet Hilfe von Wesen, an deren Existenz sie nie geglaubt hätte, die ihr Weltbild bis in die Grundfesten erschüttern und die doch so real existieren wie ihr Mikrofon …

Eine Liebesgeschichte, die sich mit nichts vergleichen lässt und die Sie in die fantastische Welt Aletheias entführt. Vielleicht begleiten auch Sie tagtäglich die Wesen Aletheias? – Diva Liebe kratzt an den Grenzen des Denkbaren.

Leseprobe:
2
Die Redaktion
Montag, 17. August
Sissy suchte, halb dem Herzinfarkt nahe, in ihrer wundervoll bunten, aber völlig unpraktischen Handtasche nach dem verdammten Schlüssel für den Haupteingang des Bürogebäudes. Dort befand sich nämlich die Radioredaktion, in der sie arbeitete.
Sie ging ein paar Schritte vom Parkplatz zum Haupteingang. Es war zum Auszucken! Schlechter konnte ihre Laune nicht sein. Leider war es gerade einmal vier Uhr morgens, und die Aussicht auf diesen Frühdienst fühlte sich so prickelnd wie eine Essigdusche ihres Magens an.
Weiter in ihrer Tasche kramend und unansehnlich verkrümmt, näherte sich Sissy fluchend der Eingangstüre zum Gebäude. Just in dem Moment, in dem sie endlich das Band vom Schlüsselbund mit festem Griff umklammern und sichern konnte, öffnete sich die riesige Glastür vor ihr - von innen!
Ein offensichtlich gut gelaunter, verboten schöner Mann hielt formvollendet die Türe für Sissy auf.
Wie peinlich! Sie hatte ihn gar nicht kommen sehen.
Sissy, nach wie vor körperlich in eine Art Yoga-Stellung für Fortgeschrittene verwrungen und sauer auf Gott, die Welt, ihren Chef und das Leben im Allgemeinen, hopste undamenhaft zur Türklinke, ergriff sie rasch und murmelte verschämt ein leises, „Danke“.
Natürlich nicht ohne diesen fremden Mann aus den Augenwinkeln intensiv gemustert und sich selbst in eine Erdspalte gewünscht zu haben. Wow! Wie der aussah!
Der Unbekannte verharrte einen Moment zu lange an der Tür, lächelte sie mit offenem Interesse an und erwiderte schmunzelnd, „Aber gerne“.
Dabei bildeten sich unwiderstehliche, kaum wahrnehmbare Grübchen auf seinen Wangen, und seine Augen funkelten verheißungsvoll.
Aber es war nicht seine umwerfende Schönheit, die Sissy elektrisierte. Irgendetwas in seinem Blick sagte ihr, dass das, was hinter der Oberfläche lag, noch viel spannender war.
Sissy spürte, wie eine Schockwelle durch ihren Körper jagte, und verschwand, so schnell sie konnte, im Gebäude.
Dem Fremden musste es ähnlich ergangen sein, denn er eiste sich mit einem kraftvollen Ruck von der Türe los und zog eiligen Schrittes davon.
So ein interessanter Mann, dachte Sissy, sich nun im Inneren des Hauses in Sicherheit wiegend. Schnuckelig. Wie alt er wohl ist? Ein bisschen älter als ich, so um die vierzig vielleicht?
Das waren jetzt jedoch weder Zeit noch Ort, um sich über jemand anderen ausladend Gedanken zu machen, auch wenn dieser Fremde sämtliche, derzeit angesagte männliche Filmstars zu Anbetungsobjekten für ewig Gestrige herabstempelte. Aber das war ohnehin hinfällig. Sie fühlte sich gerade so sexy wie ein stinkender Turnschuh. Oder so.
Jetzt lautete die Übung, bloß schnell zum Fahrstuhl, rauf in den neunten Stock, rein in die Radioredaktion. Computer aufdrehen, Passwort eingeben und bei den Nachrichtenagenturen aller Welt nachsehen, ob sich die Welt noch drehte.
Die Welt der Nachrichten hatte Sissy wieder voll und ganz in Beschlag genommen.
Ihre diensthabenden Kolleginnen und Kollegen begrüßte Sissy mit einem zerquetschten, „Guten Morgen!“. Dann machte sie sich wortlos an die Arbeit.
Sissys Finger schwirrten über die Tastatur ihres Computers. Eine Meldung nach der nächsten visualisierte sich auf dem Bildschirm.
Mit einem kurzen, routinierten Kontrollblick stellte Sissy sicher, dass sie in Kürze alles, was sie zum Präsentieren der Nachrichten benötigte, auch tatsächlich auf ihrem Bildschirm im fünf Meter entfernten Sendestudio vorfinden würde. Mit der nun freien rechten Hand riss Sissy noch schwungvoll ihren Kopfhörer vom Tisch.
Nur Sekundenbruchteile später stand sie höchstpersönlich am Nachrichtenpult des Sendestudios. Sie glich einer griechischen Statue mit dem Schönheitsfehler des Kopfhörers auf ihrem Haupt, und begann mit samtweicher und zugleich hochprofessioneller Stimme die Nachrichten zu verlesen.
Das war ihre Welt. Das war das einzige in ihrem derzeit eher jämmerlichen Dasein, das sich gut anfühlte.
Sissy war mit der ersten Sendung des Tages so halbwegs zufrieden. Nun wusste auch die Welt, also alle Hörer im kleinen Österreich, dass grundsätzlich alles in Ordnung war. Die Erdkugel drehte sich nach wie vor in der von Physikern erdachten Rotation, somit war nichts geschehen bis auf einen schweren Autounfall und einer in der Nacht zu Ende gegangenen, sinnlosen Regierungssondersitzung zum Thema »Wir können uns die Pensionen nicht mehr leisten«.
In einem Anflug von Selbstzufriedenheit lächelte Sissy.
Rechtzeitig, bevor sie dieses Gefühl einlullte, erinnerte sie sich an die bevorstehende Morgenshow-Redaktionssitzung um neun Uhr mit dem mehr oder weniger neuen Chef, Marke hart wie Kruppstahl und Ich-finde-immer-einen-Fehler. Ihr graute schon jetzt davor. - Ihr übersaurer Magen war ähnlicher Ansicht.
Aber wenigstens hatte Sissy mittlerweile ihr tägliches Morgentief überwunden und war wieder in der Lage Gespräche zu führen. Und blitzartig huschte das Lächeln des Fremden durch ihre Gedanken. Sie konnte nicht anders, es brachte auch sie zum Lächeln.
Dieser intelligente, tiefgründige Blick. Das ist mein Märchenprinz. Ganz bestimmt!
Ihr Bauch kribbelte bei diesem Gedanken unartig und ihr Herz schlug schnell. Auffallend schnell.
Und schon erstarb es wieder, Sissys Lächeln. Er hatte einfach zu toll ausgesehen, um wahr zu sein oder um sich für sie zu interessieren. Schade eigentlich.
Nein. Falsch. Superschade und hundsgemein war das! Welche Frau bekam eigentlich so einen Jackpot-Typen? Sie nicht. - Aus Sissys Sicht eine unumstößliche Tatsache.

***

„Wo ist mein neues schwarzes Hemd?“, rief Markus fragend in Richtung Schlafzimmertüre, die es vorzog, zu diesem Thema vornehm zu schweigen. Eigentlich hatte er von seiner Freundin Jasmin, die aber unglücklicherweise gerade im Bad war, eine Antwort erwartet. Fehlanzeige.
„Immer muss ich alles alleine machen“, grummelte Markus Wagner in sich hinein, fand das gesuchte kurzärmelige Hemd dann doch im Kasten, eingewickelt in Folie, frisch von der Putzerei. So etwas Gefährliches wie Bügeln konnte Jasmin ihren Designernägeln definitiv nicht zumuten. Klar. Wieso auch. Schön sein musste reichen.
Wie immer in Schwarz gekleidet, mit einer dünnen Sommer-Lederjacke lässig über den linken Unterarm geworfen, verließ Markus sein Schlafzimmer, um sich noch kurz die Nachrichten und den Morgenmoderator im Radio anzuhören. Das gelang ihm nur bedingt, denn mitten in die Nachrichten über die Regierungssondersitzung von vergangener Nacht platzte Jasmin. Aufgeregt schwenkte sie die heutige Zeitung und las laut vor.
„Du Markus, in deinem Horoskop steht – pass auf, ich lese es dir vor. Also Steinbock: Ihre üblichen Lösungsstrategien bringen keine Verbesserung der Lage, egal wie sehr Sie sich anstrengen. Versuchen Sie doch einmal, von Ihrem gewohnten Vorgehen abzulassen und beschreiten Sie neue Wege! Gerade in so ausweglosen Situationen könnte das die entscheidende Wende bringen! - Was sagt dir das?“
Erwartungsvoll strahlte Jasmin Markus ins Gesicht.
Wut, Zorn oder Ärger – Markus war sich nicht sicher, welche Emotion im Moment den Ringkampf gegen die anderen gewinnen würde. Daher entschied er sich, nachdem er den Espresso hastig ausgetrunken und die erste Moderation versäumt hatte, für einen Rückzug. Mit einem knappen „Bis später!“ schlich er sich einfach in Richtung Sender. Jasmin verzog sich eingeschnappt.
Horoskop! So ein ausgemachter Schwachsinn, und er war dumm genug, da auch noch hinzuhören! Neue Wege beschreiten? Bei dieser Chaostruppe? Sicher nicht. Markus entschied sich am Weg zum Sender, schon aus einer Jetzt-erst-recht-Haltung heraus, eindeutig dafür, seine alten Wege beizubehalten und sogar noch zu verschärfen.
Entschuldigung. Sie lagen in ihrer Zielgruppe bei einem Marktanteil von dreiundzwanzig Prozent und der staatliche Mitbewerber bei zweiundvierzig. Das war Grund genug. Für alles. Und schließlich hatte ihn der Sender genau deshalb engagiert.

Mit einem bösen Blick - aus seinen stechend-stahlblauen Augen - starrte Markus auf die anderen Autos auf der Straße. Sauerei, diese Staus. Können die sich nicht in Luft auflösen, wenn er es eilig hatte? Seine an sich nach unten hängenden Mundwinkel zuckten kurz nach oben.
Zugegeben, Markus hatte eine echt verpatzte Kindheit hinter sich. Seine ihn angeblich so liebende und ach so verantwortungsvolle Mutter hatte ihn samt seinem Vater einfach sitzen lassen. Auf nimmer Wiedersehen verlassen, um es noch deutlicher auszudrücken. Was das bei einem zehnjährigen Jungen auslösen würde, darüber hatte sie offensichtlich nicht eine Sekunde nachgedacht gehabt. Frauen waren für Markus schon gestorben, bevor ihn sich die Pubertät vorgeknöpft hatte.
Außerdem hatte Markus leidvoll gelernt, dass man es als »Arbeiterkind« im Leben nicht leicht hatte. Man musste immer sehr viel besser als die anderen sein, um sich wenigstens ein kleines Stückchen vom Erfolgskuchen abschneiden zu dürfen. Chancengleichheit? So ein Blödsinn. Nie hatten seine Lehrer seine wahre Genialität erkannt, und natürlich war er in der siebenten Klasse Gymnasium, ein Jahr vor der Matura, »freiwillig« - auf dringendes Anraten seines Klassenvorstandes - ausgeschieden.
Was zur Folge hatte, dass sämtliche Fragebögen, die irgendetwas in Richtung »höchste, abgeschlossene Ausbildung« von Markus wissen wollten, unweigerlich den Tod im Mistkübel fanden. Zerfetzt, zerstückelt, mit dem Brieföffner erdolcht. Frechheit! Da trampelten wildfremde Menschen auch noch auf seiner Maturalosigkeit herum. Nicht mit ihm!
Doch dieses ständig an seinem Selbstbewusstsein nagende Gefühl der Minderwertigkeit war immer schlimmer geworden, je weiter er sich mit Fleiß, Disziplin(...)




Die Autorin
Sabine (Lengyel-)Sigl stammt aus Österreich und arbeitet selbstständig als Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologin und Autorin. Die tägliche Arbeit mit Menschen hat 2012 zur Veröffentlichung ihres ersten Sachbuchs "Corporate Awareness. Werte und die (R)Evolution der Arbeit." geführt. In diesem Buch geht es um das Verstehen der Kultur von Organisationen sowie um das Konzept einer Corporate Awareness und den Umgang mit Werten und Emotionen im Arbeitsleben. Daraus entwickelte sich schließlich die Idee zum Roman "Diva Liebe. Unerwartet eins.". Mehr über die Autorin und ihre Bücher erfahren Sie auf www.sabinesigl.com und www.resipsychology.com oder auf Facebook ("Diva Liebe", "Corporate Awareness").


Sabine Sigl, Diva Liebe. Unerwartet eins.

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