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17. September 2013

Myra Çakan, Dreimal Proxima Centauri und zurück



Bevor sie an Bord der Stern von Beteigeuze ging glaubte Mimsy Mimkovsky, das Schlimmste, das ihr auf der Reise zum Planeten Proxima Centauri 2 passieren könnte wäre, die Launen von Madame Halcion, ihrer Arbeitgeberin, ertragen zu müssen. Doch die exzentrische Diva und ihr überheblicher Impresario sollten bald das Geringste von Mimsys Problemen sein. Auf dem luxuriösen Kreuzfahrtraumschiff ist kaum einer der Passagiere, was er vorgibt. Als bei den Proben zur traditionellen Bordrevue »Schieß mich zum Mars, Liebling« eine wichtige Requisite verschwindet, ist dies der Auftakt einer furiosen Space   Opera die ihresgleichen sucht.Die Autorin vermischt Science-Fiction, ebenso schamlos wie stilsicher, mit Elementen der Screwball-Comedy und des viktorianischen Unterhaltungsromans. Abgerundet wird das brisant-amüsante Spektakel mit einem guten Schuss Steampunk.

„Ganz großes Kino: Eine ebenso kosmische wie komische Kreuzfahrt quer durchs Weltall – in immer neuen, spannenden Wendungen entfaltet sich ein Panorama aus geheimnisvollem Geschehen und sternenfunkelnden Gefühlen. Wo kann ich hier eigentlich den Knopf drücken, um zu zeigen, dass mir das Buch gefällt?“
Peter Glaser


Rezension:


Screwballcomedy, Steampunk und Augenzwinkern
Was braucht es mehr, um mein Leserherz zu erfreuen? Wenig. Myra Cakan hat da ein reizendes Bündel geschnürt. Es geht um Menschen und ihre Merkwürdigkeiten, auch wenn alles im SF-Mileu spielt. Die Autorin beschreibt skurrile Erscheinungsformen amüsant und originell, in dem sie die Personen zu Klischeefiguren hochstilisiert. Das, was normalerweise AutorInnen vorgeworfen wird, ist hier vorzüglich verarbeitet. Intriganten, Liebeshungrige, Wichtigtuer, Verbrecher, devotes Personal – alle diese Charaktere gibt es schließlich im wahren Leben. Und auf dem Luxusliner durchs Weltall sind alles diese Prototypen versammelt und treiben ihr Unwesen. Ich habe mich wirklich wunderbar unterhalten gefühlt.

Mimsy Mimkovsky, eine arme Waise,
aufgewachsen in einem Kinderheim, dennoch zauberhaft hübsch, bescheiden, klug, scheu (wie es sich gehört) ist die Hauptfigur, durch ihre Augen verfolgt der Leser die Geschehnisse. Das scheue, hübsche Kind, mittellos, ist die Gesellschafterin einen Diva, die eine absolute Nervensäge ist. Mimsy ist mit Abstand die natürlichste Person an Bord, und damit dem Leser sympathisch.

Andere Personen sind manchmal
unglaublich nervig, aber das gehört zur Geschichte dazu. Sie werden alle liebevoll genau dargestellt, als Leser ist man absolut dabei.
Die Autorin hat eine blühende Fantasie, allein die Namen, die sie den Handelnden gibt, oder die Bezeichnungen der Speisen, die leider nur erwähnt werden, nicht aber erklärt (ich hätte gern mehr darüber erfahren).

Der Roman ist eine amüsante Farce,
keine Frage. Der Plot wird ordentlich zu Ende geführt; mir fehlten jedoch die für Screwball typischen Twists (unerwarteten Wendungen) zum Finale. Trotzdem eine sehr feine Geschichte mit witzigen Verballhornungen und bekannter Worte, Wortverdrehern, oftmals sehr schöne Dialogführung, elegant und frisch geschrieben. Technisch einwandfrei, fast fehlerfrei, insgesamt ein großes Vergnügen mitzureisen nach Proxima Centauri! Wärmste Empfehlung an alle, die ein paar nette Stunden mit wohltuender Lektüre verbringen möchten.

Elsa Rieger




Die Autorin:
Myra Çakan studierte Schauspiel und Musik und gilt als die erste deutschsprachige Vertreterin des Cyberpunk. Sie veröffentlichte fünf Romane – When the Music’s Over (1999), Begegnung in der High Sierra (Luke Harrison – Weltraumabenteurer 1) und Zwischenfall an einem regnerischen Nachmittag (Luke Harrison – Weltraumabenteurer 2) (beide 2000), Downtown Blues (2001), Dreimal Proxima Centauri und zurück (2011) drei Kurgeschichten-Sammlungen – Nachtbrenner (2012) Geschichten aus der Zukunft von Gestern (2013) Winterlang (2013) und ein Sachbuch Mein Buch! (2012); darüber hinaus zahlreiche Kurzgeschichten in Magazinen und Anthologien. Zwanzig Hörspiele, Adaptionen ihrer eigenen Werke und Originalstoffe, wurden u. a. von WDR und SWR produziert. Die Autorin ist nicht nur Science-Fiction-Liebhabern ein Begriff, wie Rezensionen ihrer Werke in der SZ, Stern oder Frankfurter Rundschau belegen.



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