Salon

Salon

Rezensionen

Vorläufig aus Zeitgründen geschlossen.

29. Januar 2014

Sven Klöpping, Unser täglich Brot



„Seit einiger Zeit verhielt sich Pete ... irgendwie anders. War er noch vor kurzem ein ausgeglichener, bodenständiger Typ, machte er nun vor allem durch seinen gesteigerten Appetit auf sich aufmerksam, was ich als sein bester Freund natürlich sofort bemerkte.

Auch seine Konzentration schien immer mehr nachzulassen. Nein, er war definitiv nicht mehr derselbe ...“




Leseprobe:

Und da war noch etwas Seltsames, das mir derartige Anlässe zunehmend verübelte. Dass sich Pete nämlich während des Essens überhaupt nicht um mich kümmerte, sondern vorwiegend mit Essen oder Nachbestellen beschäftigt war und ich mir in seiner Gegenwart geradezu unnütz vorkam, wie ein taubstummer Pfaffe im Beichtstuhl, war schon befremdlich. Ich existierte für ihn gar nicht, und wenn er mich ansprach, dann meist in Frageform, wie mir die Mahlzeit schmecke, welchen Nachtisch ich bestelle, ob ich ein preiswertes Restaurant in Chinatown kenne und so weiter.
Nun war ich ein viel zu gutmütiger Mensch, um einfach wegzuschauen, wenn meine Freunde ein Problem haben. Denn mit Pete stimmte etwas nicht, das lag auf der Hand. Für gewöhnlich gehe ich in einem solchen Fall direkt auf den Betroffenen zu, versuche herauszufinden, woran er leidet und ihm so gut wie möglich zu helfen. Für mich ist das Helfen eine Art Selbsttherapie, die man nicht bei sich selbst, sondern an anderen ausprobieren kann – fast ohne Risiko. In meinem Bekanntenkreis war ich als Hobby-Psychiater schon so angesehen, dass man mich unaufgefordert um Rat fragte, auch wegen Lappalien.


Rezension:

Irgendwo in Mexiko
gestrandet ist die erzählende Hauptfigur dieser Novelle. Auf dem Weg nach Tijuana, um nach Monaten zurück nach San Francisco zu gelangen. Er verließ Kalifornien in der Hoffnung, einen Albtraum loszuwerden. Denkste!

Das große Fressen
des besten Freundes Pete, das in Kannibalismus mündet, verfolgt den Protagonisten leider auch in Mexiko. Denn der hilfreiche Chauffeur eines verlotterten Lieferwagens, der ihn von der Straße durch die Einöde aufklaubt, frisst ähnlich wie Pete. Das bringt den armen Mann reichlich ins Grübeln. Wie nur hängt das alles zusammen? 
Sag ich natürlich nicht, werte Leser, da müsst ihr schon selbst draufkommen!

Gekonnte Satire
Horror einmal anders, von einem Autor, der die Prosa ebenso beherrscht wie Lyrik und etliche Preise eingeheimst hat. Deswegen verstehe ich überhaupt nicht, dass dieses irre Buch noch keine Rezensionen erhalten hat? Vielleicht liegt es am nicht sehr geglückten Cover, das mich auch nicht verführt hätte, das Buch zu lesen, wenn mich nicht der Autor selbst darum gebeten hätte. Also ich empfehle dieses kleine, echt schräge und richtig gut geschriebene Werk wärmstens.

Elsa Rieger


Der Autor

Sven Klöpping (geb. 1979)
Persönlicher Werdegang

Nach dem Schulabschluss arbeitete er als Texter in verschiedenen Werbeagenturen bis 2002. Danach half er seinen Eltern kurzzeitig beim Management ihrer Immobilien. 2003 begann er ein Studium als Fremdsprachenkorrespondent (Bachelor), das er 2005 jedoch abbrach. 2006 arbeitete er wieder als Werbetexter in Ludwigsburg. Aufgrund einer Krankheit musste er seinen erlernten Job aber aufgeben und machte bis 2010 die schwierigste Zeit seines Lebens durch. Mittlerweile hat er sich Schritt für Schritt von dieser Krankheit erholt und ist bereits neue Projekte angegangen wie z. B. das Herausgeben einer Lyrikzeitschrift (seit 2010) und eines Portals für deutschsprachige SF (seit 2011) oder die Mitarbeit bei einer bekannten deutschen SF-Zeitschrift (Nova).

Schriftstellerischer Werdegang

Zu schreiben begann er schon früh in seiner Kindheit. Mit 10 Jahren verfasste er seine ersten Kurzgeschichten, Gedichte und Roman-Kapitel. Ernsthaftes Interesse an der Literatur kam im Alter von 17 Jahren auf, seitdem schreibt er regelmäßig lyrische Texte und Kurzgeschichten (zumeist SF) und veröffentlicht diese auch in verschiedenen Magazinen und Anthologien (siehe Bibliografie). Mit 22 begann er seinen ersten Roman und beendete ihn mit 24 Jahren – leider ging dieser Roman verloren (das Originalmanuskript lag bei seinem damaligen Verleger, dessen Verlag aber verkauft wurde, das Manuskript wurde sodann mit anderen Dokumenten unbekannt eingelagert, zu allem Überfluss wurde die Datei mit dem kompletten Text dann auch noch bei einem Datencrash gelöscht). Seit 2009 schreibt er wieder intensiver Lyrik, seit 2010 auch wieder Erzählungen. Geplant sind im Moment auch weitere Romane.

Literaturszene

Sven hat Kontakt zu verschiedenen Personen des literarischen Lebens, mit denen er zusammen an diversen Projekten arbeitet. Er ist außerdem Mitglied der LIT Hessen, des SFCD und des EDFC. Über das Internet hat er die meisten Kontakte geknüpft, aber auch aus seiner Zeit in der Frankfurter OPST-Autorenrunde kennt er einige Autoren und Herausgeber.

Erfolge

Sein größter Erfolg war der Gewinn des Gerhard-Beier-Preises im Jahr 2001 und der 2. Platz beim Poetensitz-Wettbewerb des Heidelberger Kunstvereins 1999 (mit einer SF-Story!).

Preise

2. Platz beim Poetensitz (Heidelberg, 1999)
Gewinner des Literascript-Wettbewerbes (Internet, 2001)
Gewinner des Gerhard Beier Preises (Hessen, 2001)
2. Platz beim Satzfischer-Kreativprojekt (Internet, 2002)
Nominiert für den Kurd-Laßwitz-Preis (Deutschland, 2002, 2012)
2. Platz beim Corona-Storywettbewerb „Spritztour“ (Internet, 2010)
In der Anthologie zum Cantando-Parlando Lyrikwettbewerb (2013)


Bücher

„OPST“ – Anthologie (als Hrsg., aalfaa enterbraynment, 2000)
„MegaFusion" – SF-Storys (G. Meyer Verlag, 2001)

„Menschgrenzen“ – SF-Storys (p.machinery, in der Reihe AndroSF des SFCD, 2010)
„Kaskaden – die Lyrikzeitschrift“ – Lyrik (als Hrsg., jährl. Ausgaben, ab 2010)


eBooks

Unser täglich Brot … – Erzählung (2011, AmazonKindle)
Menschgrenzen – SF-Storys (2012, p.machinery)
„MegaFusion“ – SF Storys (englisch, 2012, AmazonKindle)
Aufheller – Gedichte (2013, AmazonKindle)
Kaskaden Online (als Hrsg, halbjährl. Ausgaben und Sonderausgaben, z. B. bei new-ebooks.de)


… sowie bei Facebook, Myspace und Netscape.


Sven Klöpping, Unser täglich Brot

eBook bei Amazon

25. Januar 2014

Sabine Sigl, Diva Liebe. Unerwartet eins.



Sissy Sander hätte wirklich das Zeug, um zur Champagner-, Prada- und High-Heels-Fraktion zu gehören: Single, hübsch, erfolgreiche Nachrichtensprecherin bei einem Radiosender, witzig und klug. Doch das will sie einerseits gar nicht (na ja, vielleicht einmal im Jahr) und andererseits hat Sissy mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Da ist ihr neuer Chef, der kein gutes Haar an ihrer Arbeit lässt, und da sind Schatten aus ihrer Vergangenheit, die Sissy nicht zur Ruhe kommen lassen. Und da ist ihr Selbstwert. Jämmerlich und klein.
Was nützt es Sissy, in so einer Situation ihrem Traummann über den Weg zu laufen? Dabei ist Alessandro DeMonti, italienisch-stämmiger Österreicher, vermutlich der tollste, schönste und klügste Mann auf dieser blauen Kugel.
Was Sissy nicht wissen kann, ist außerdem, dass ein elendes Pack an Taugenichtsen – sie nennen sich selbst die „Reiter der täglichen Apokalpyse“ – aus Aletheia beschließt, sich genau ihre Radioredaktion vorzuknöpfen. Super. Angst, Wut, Zorn, Ärger und Neid fallen über die ahnungslosen Redaktionsmitglieder her.
Zum Glück existieren in Aletheia, einer geheimnisvollen Simultanwelt, aber auch ganz andere Geschöpfe. So erhält Sissy unerwartet Hilfe von Wesen, an deren Existenz sie nie geglaubt hätte, die ihr Weltbild bis in die Grundfesten erschüttern und die doch so real existieren wie ihr Mikrofon …

Eine Liebesgeschichte, die sich mit nichts vergleichen lässt und die Sie in die fantastische Welt Aletheias entführt. Vielleicht begleiten auch Sie tagtäglich die Wesen Aletheias? – Diva Liebe kratzt an den Grenzen des Denkbaren.


Rezension

Die apokalyptischen Reiter
die gemeinerweise in einem Radiosender negative Emotionen verteilen, spielen die tragende Rolle in diesem Roman um Sissi, die sich insgeheim nach einem Mr. Right sehnt.

Könnte auch Chick-Lit sein vom Üblichen,
wäre da nicht der interessante Ansatz der Emotionen, die sich personifiziert einnisten, um den Menschen alle möglichen Gefühle an den Kopf zu werfen, sie damit zu konfrontieren. Die Sequenzen der Gefühle, die selbstständig agieren, sind allerdings als Gegenschuss zur spritzig erzählten Realität, einigermaßen langatmig und dadurch anstrengend.

Technisch und stilistisch
gibt es keine Einwände, die Autorin verfügt über ein breites Sprachspektrum und weiß blendend zu formulieren.

Fazit
Ich würde der Autorin raten, die o.g. Sequenzen stark zu kürzen. Ich weiß, das macht man nicht gern, wenn man eine Idee dazu hatte, aber wie heißt es so schön: Kill your darlings!, respektive: Mach Texte lesbarer, lukullischer für die Leser!

Elsa Rieger



Die Autorin
Sabine (Lengyel-)Sigl stammt aus Österreich und arbeitet selbstständig als Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologin und Autorin. Die tägliche Arbeit mit Menschen hat 2012 zur Veröffentlichung ihres ersten Sachbuchs "Corporate Awareness. Werte und die (R)Evolution der Arbeit." geführt. In diesem Buch geht es um das Verstehen der Kultur von Organisationen sowie um das Konzept einer Corporate Awareness und den Umgang mit Werten und Emotionen im Arbeitsleben. Daraus entwickelte sich schließlich die Idee zum Roman "Diva Liebe. Unerwartet eins.". Mehr über die Autorin und ihre Bücher erfahren Sie auf www.sabinesigl.com und www.resipsychology.com oder auf Facebook ("Diva Liebe", "Corporate Awareness").

Sabine Sigl, Diva Liebe. Unerwartet eins.

eBook bei Amazon

22. Januar 2014

Henry Malewsky, Südlich des Glücks



Wer einen Engel liebt, ist unweit des Teufels: eine romantisch komische Geschichte über die Gratwanderung von Lust und Liebe.

Verliebt, verlobt, vermasselt. Das ist Henry – unverbesserlicher Frauenheld und einst erfolgreicher Schriftsteller. Seine Bibel ist „Was Frauen wollen“ und auf seinem Nachttisch liegt eine angerissene Packung Kondome.
Dass er verlobt ist, stört den moralisch ambivalenten Chaoten wenig bei der Ausübung seines frivolen Lebensstils. Doch als er eines Tages zufällig seine Jugendliebe wiedertrifft und die Schmetterlinge in seinem Bauch zu fliegen beginnen, ist das Chaos vorprogrammiert.
Wird Henry seiner schlüpfrigen Linie treu bleiben oder werden letztlich seine Gefühle siegen?


Leseprobe

Kapitel 1

Jugendfreunde (Auszug)

»Mir bleibt nicht lange Zeit«, dachte er und streichelte sanft die lockige Mähne seiner geliebten Jeanette. Er versuchte, innerlich dieses Gefühl zu akzeptieren, dass es unrecht sei, was beide taten. Ungeachtet dessen stieg Henrys Puls vor Erregung ins Unermessliche. »Liebste, du berührtest mein Herz. Viele andere auch, aber du ... Du hast es gestohlen und trägst es mit Stolz neben deinem eigenen.« Henry wäre eine Menge Ärger erspart geblieben, hätte er diesen Satz nicht einzig in seiner Fantasie gesagt.
Den Anflug von Ekstase schob er beiseite, obwohl er das ungern machte. Bald jedoch stünde seine Verlobte vor der Tür. Er musste die vormals abgezogene Bettwäsche aufspannen, die schwarzen Haare aufsammeln, die überall in der Wohnung herumlagen und versuchen, gegenüber Delila sexuelle Frische zu simulieren. Zeit, Bewegung in die Sache zu bringen, was sich schwieriger erwies als gedacht.
Jeanettes zierlicher Hintern sah einladend aus. Er wirkte wie eine Pforte in eine bessere Welt. Eine, in der Milch und Honig im Übermaß flossen und die Zeit stillgestanden wäre. »Ihr schnuckeliger Arsch wartet nur darauf, dass jemand kommt, anklopft und um Einlass bittet«, dachte er und näherte sich der Tür des nächsten Sakrilegs. Ihr Hintern symbolisierte ihr Aushängeschild schlechthin, und bildete eine Art Wahrzeichen ihrer Promiskuität. Henry hätte liebend gern hineingebissen wie in einen Apfel. Die süße, saftige Frucht der Sünde. »Lass es, Junge«, forderte er sich selbst auf, doch es nutzte nichts. Ihr Anblick verursachte ein Feuerwerk in seinen Lenden, welches ausschließlich sie zu löschen imstande war. Zurückhaltung schien hoffnungslos. Es handelte sich nicht nur um ihrer beider Lust, die sie befriedigen wollten. Sie spürten ein unbändiges Verlangen nacheinander. Ein Hunger, schier unstillbar. Feuer in ihren Augen, Brennen auf ihren Lippen. Die Welt um sie herum spielte keine Rolle, und so wuchs Henrys Angst, für diese Frau mehr zu empfinden als er durfte. »Verdammt«, flüsterte eine Stimme in ihm, »du darfst nicht an das L-Wort denken!« Er mochte diese unbeschwerte Liebelei, aber wollte nicht aus der Wanne der Gewohnheit steigen, in der er jahrelang mit seiner Verlobten badete. Er wagte, es zu verdrängen. Es krampfhaft zu unterdrücken: das »L-Wort«.
Henry streifte Jeanettes Haar beiseite. Im Moment, als er ihren Hals küsste, verbannte er kurze Zeit sämtliche nennenswerte Emotionen aus seinen Gedanken. Er versuchte, seine Konzentration ausschließlich auf ihrer beider körperlichen Belange zu richten, was ihm nicht sonderlich leicht fiel. Seine Gefühle der Göttlichen gegenüber glichen einer Horde wildgewordener Irrer, die mit aller Kraft probierte, die Tür zu seinem Herzen einzutreten. Er wusste nicht, wie lang sein Wille diese noch imstande war verschlossen zu halten. Vorerst blieb sie jedoch verriegelt. Bittersüß lächelnd signalisierte Jeanette, munter zu sein und das Streicheln bemerkt zu haben. Vorsichtig öffnete sie ihre Augen, und Henry glaubte, sie wisse, dass in seiner Hose eine Party stattfindet, bei der sie der Ehrengast sei.
Seine Liebste erkannte unschwer, welchen Grad der Erregung er peinlich berührt vorantrug, als er sich behutsam auf ihren nackten Po setzte. Sanft versuchte er, mit dem Instrument seiner Lust einen Weg durch ihre knackigen Backen zu bahnen. Die zerbrechliche Gazelle griff nach hinten. In ihren Händen verwandelte sie besagtes Arbeitsgerät zu ihrem Spielzeug. Fort an wusste er, dass es keinen Grund gab, zaghaft zu bleiben oder es zu verstecken. Ihre Begierde schien der seiner ebenbürtig. Das Verlangen, ihre beiden anmutigen Körper zu vereinen. Die Gedanken daran, ihre Taten seien treulos, zerplatzten im Nu wie Seifenblasen. »Lass mich in dich«, hauchte er, fasste um sie und umschloss ihre Hüfte. Mit seinen Fingern glitt er ihren schweißnassen Hals hinunter, verharrte an ihren Brüsten. »Lass mich in dich, und wir zeugen Krieger.«

Ja, Henry wusste um ihre Begierden bescheid. Ihre Abgründe, die hinter ihren Gefühlen und ihrem Herzen verborgen lagen. »Du Göttliche«, flüsterte er, bevor sie einander ihrer Lust hingaben.
Behutsam zog er ihre Schultern nach oben. Er drehte Jeanette vorsichtig zur Seite, die bis zu diesem Moment auf ihrem Bauch ausharrte. Nun, rücklings liegend, ihre Beine spreizend, signalisierte diese in Missionarshaltung, dass es für beide ein unvergesslicher Morgen werden sollte. Trotz ihrer souveränen Ausstrahlung mitsamt ihrem strotzenden Selbstbewusstsein, wirkte sie zerbrechlich. »Dieses anziehende Ding«, dachte Henry, »Zart. Verletzlich. Nicht ihr Äußeres, sondern ihre Seele.« Ein Teil von ihm drang in ihren Körper ein, ein anderer intensiv in ihr Bewusstsein. Jeanette sah keinen Grund, zu widerstehen. Ihrem Liebsten vertraute sie. Ihrem Heiland. Die letzte Hoffnung in ihrem durch Schmerzen, Verluste und Ängste geprägtem Leben. Sämtliches setzte sie auf eine Karte, gab allen Gefühlen nach und entführte ihn in ihre Welt. Jene, deren graue Wände farbliche Erleuchtung herbeisehnten. Die Fassade einer unantastbaren Frau machte sie begehrenswert und verwundbar zugleich und verwandelte Henry in eine tickende Zeitbombe.

Kapitel 2

Wir sollten drüber schlafen (Auszug)

Henry war ein seelisches Wrack, am wackelnden Kneipentisch sitzend, an dem er regelmäßig mit Delila zu Abend aß. Dieses Mal bestellte er einen Burrito. Zu Beginn wurde ein doppelter Tequila serviert. Das Restaurant besaß einen abstrakten spanischen Namen, weshalb es allezeit hieß, man gehe zum »Mexikaner«. Neben der leuchtenden Inschrift über der Eingangstür, manche Buchstaben flackerten störend, prangte ein überdimensionaler Plastikkopf eines dicken Mannes samt Sombrero und Tequilaflasche. Lächelnd offenbarte er Zahnlücken, die ausdrückten, dass er beim Thema Mundhygiene nicht genau hinschaute. Sein Grinsen vermittelte den Eindruck, es ginge in Ordnung, ließe man sich volllaufen, um anschließend in der Toilette ausgiebig zu kotzen - was Henry regelmäßig tat. Wogegen er diesen feuchtfröhlichen Abend anders erlebte als zuvor. Er hörte eine seltsame, imaginäre Stimme, während seine Gabel in der Gemüsebeilage des Essens stocherte. Sie klang entfernt, fast metallisch. Je mehr Tequila seine Kehle hinunterfloss, desto deutlicher vernahm er das Hallen. Ob wegen des Alkohols seine Fantasie ihm einen Streich spielte? Tatsächlich war es ein durch seine verletzte Psyche erschaffenes Alter Ego, das aus den Tiefen seiner Seele kroch, um ihn dazuzubringen, eine Entscheidung zu treffen.

Ich bin Henrys entfachtes Gefühl der Ablehnung. Ich sage, diese Frau hat es nicht verdient, von der Geduld seines eingeschüchterten Herzens toleriert zu werden!

Hypnotisiert, in Trance, unterbewusst hoffend, nicht zu sabbern, lauschte er in lähmender Pose den Ausschweifungen in seinem Kopf. Diese Stimme, das Echo. Die Gefahr für seine Verlobung. Es bläute ihm militärisch hochtrabend ein, dass aus dem zarten Engel über Jahre eine biestige Cholerikerin heranwuchs, die eine Last für seine Glückseligkeit bedeute. Zu feige, das zuzugeben, geschweige, vom Pfad der Gewohnheit abzukommen, läutete dieses Flüstern dessen ungeachtet eine Kehrtwende ein. Dieser Hauch von Gewalt und Durchsetzungsvermögen, rasant aufkeimend, bereitwillig, auszubrechen.

Du bist nicht deine Romane. Nicht das Geld, das du damit verdienst. Nicht der klapprige Benz, den du fährst. Nicht eine Figur aus deinen Geschichten. Du bist nicht deine scheiß Blundstone. Nein. Du bist das lächerliche, beschwichtigende Grinsen, das deine überflüssige Liebe ihr gegenüber, zu rechtfertigen versucht. (...)


Rezension folgt...


Der Autor

Henry Malewsky, schrieb Kurzgeschichten bereits als Fünftklässler. Seinen ersten Roman konnte er dank heutiger Möglichkeiten im Jahr 2013 veröffentlichen. Parallel gründete er den Selfpublishing Verlag »GhostBooks«, unter dem er seine zukünftigen Werke präsentieren wird.

»GhostBooks« legt sich nicht auf ein bestimmtes Genre fest, sondern konzentriert sich vielmehr auf guten Inhalt und qualitativ hochwertige Arbeit, welche die Leser begeistern soll. An sich als Selfpublisher stellt Gründer Henry Malewsky selbstverständlich hohe Ansprüche, die in professionellen Veröffentlichungen münden sollen.

Er lebt und arbeitet in der Messestadt Leipzig, von wo aus er mit dem Label »GhostBooks« dem Selfpublishing einen besonderen Stempel aufdrücken möchte.

http://www.ghostbooks.de/p/sudlich-des-glucks-buchreihe.html


Henry Malewsky, Südlich des Glücks


eBook und Taschenbuch bei Amazon