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30. April 2014

Brigitte Teufl-Heimhilcher, Politik und rote Rosen



… eine fiktive Geschichte aus einem fiktiven Land.
Als Sybille Hold-Meixner, Kabinettschefin des Sozialministers, nach dessen Unfalltod  zu seiner Nachfolgerin gekürt wird zögert sie kurz, ehe sie das Amt annimmt - unter anderem auch, weil ihr Kanzler Elmar Reifenstein einmal sehr nahe gestanden ist.
Kaum hat sie ihr neues Büro bezogen fallen ihr Unterlagen in die Hände, die Gewerkschaftsboss Meller in arge Bedrängnis bringen. Aber ist es politisch klug sich mit der Gewerkschaft anzulegen?
Sybille überlegt nicht lange und nimmt den Kampf auf - schließlich soll Recht auch Recht bleiben.
Doch sie hat nicht nur mit dem politischen Gegner zu kämpfen, auch Elmar bringt sie in eine höchst unangenehme Lage und mit ihrer halbwüchsigen Tochter Kerstin hat sie es auch nicht immer leicht.
Gut, dass wenigstens der Chefredakteur des Tagblattes immer öfter ihre Partei ergreift, er erweist sich auch sonst als höchst angenehme Gesellschaft, aber darf sich eine Ministerin in einen Journalisten verlieben?

Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Plattform
ISBN-10: 395034784-5, ISBN-13: 978-395034784-5, 196 Seiten, EUR 8,99
Auch als E-Book (EUR 3,60) auf Amazon erhältlich


Leseprobe:

Vorwort der Autorin

Die Geschichte, die ich Ihnen erzählen möchte, ist ebenso fiktiv wie das Land, in dem sie spielt: Euroreich.
Euroreich liegt im Herzen Europas, ist Mitglied der EU, hat den Euro längst eingeführt und ist eine demokratische Republik.
Dennoch essen die Menschen des Landes gerne Kaisersemmeln, Kaiserschmarren, Kaiserfleisch, und wenn sie das Gulasch aus einem ganz besonderen Stück Fleisch machen, dann nennen sie es Kaisergulasch.
Beamte, die auf der Karriereleiter schon gut vorangekommen sind, freuen sich über den Titel „Hofrat“, wie Titel in Euroreich überhaupt eine große Rolle spielen, weshalb Anreden wie „Servus, Herr Präsident“ durchaus zum Alltag gehören, selbst wenn der Angesprochene Präsident eines Taubenzüchtervereins sein sollte.
Die Probleme des Landes sind die gleichen wie anderswo auch, wenn man auch gemeinhin der Meinung ist, der Euroreicher sei ein wenig gemütlicher, vielleicht auch bequemer als der gemeine Europäer.
Politisch betrachtet gibt es zwar eine Vielzahl von Parteien, dennoch bilden zumeist die Konservativen (schwarz) und die Sozialdemokraten (rot) die Regierung. Diese sogenannte große Koalition ist ebenso erwünscht wie angefeindet, was darauf zurückzuführen sein könnte, dass der typische Euroreicher sich dann am wohlsten fühlt, wenn er jammern kann. Erstaunlicherweise verzichten dennoch viele Euroreicher darauf, zur Wahl zu gehen. Politologen sehen den Grund darin, dass die Politiker des Landes nicht besonders angesehen sind, weil allgemein vermutet wird, sie würden ihre eigenen Interessen in den Mittelpunkt stellen.
Das bedeutet umgekehrt jedoch nicht, dass man nicht selbst gerne zu dieser nahen Umgebung gehören möchte oder sich nicht mit dem einen oder anderen Politiker fotografieren ließe, wenn es sich denn so ergäbe. Ganz im Gegenteil!
Bei Wahlveranstaltungen wird Politikern aller Couleur kräftig zugejubelt, um am nächsten Tag deren Abgehobenheit zu beklagen.
Alles in allem scheint Euroreich also – von lokalen Eigenheiten abgesehen - mit vielen anderen Ländern durchaus vergleichbar.


1. Die Beerdigung

Als Sybille schlaftrunken die Jalousien hochzog, war es draußen dunkel und nebelig. Ihre Tochter Kerstin wollte auch nicht aus den Federn. Das konnte sie ja verstehen, aber dass sie dann auch noch das Bad stundenlang blockierte, zerrte schon ziemlich an ihren Nerven, und als sie beim Frühstück mit einem ihrer Igitt-igitt-Blicke sagte: „Wie siehst du denn heute aus?“, schien das Maß voll.
Wie immer zählte Sybille erst heimlich bis zehn, ehe sie, schon etwas weniger gereizt, antwortete: „Lass mich raten: schwarz und traurig? Genauso fühle ich mich, heute ist doch das Begräbnis von Doktor Winter.“
„Okay, aber du bist seine Kabinettschefin, nicht seine Witwe“, antwortete Kerstin gelangweilt, trank ihren Orangensaft, schnappte sich einen Apfel und ging.
„Du sollst doch …“, den Rest konnte sie sich sparen, die Tür war bereits hinter Kerstin ins Schloss gefallen.
Lustlos aß sie ein paar Löffel von ihrem Müsli, verstaute die restlichen Lebensmittel wieder im Eiskasten und betrachtete sich im Vorzimmerspiegel. Vielleicht war die schwarze Bluse zusammen mit dem schwarzen Kostüm und ihrem schwarzen Haar doch etwas zu viel. Seufzend ging sie zurück ins Schlafzimmer.
Weiß? Rosa? Ach, hier war noch diese silbergraue Schleifenbluse. Die hatte sie schon eine Ewigkeit nicht getragen, aber zusammen mit der Blutsteinkette und den dazu passenden Ohrgehängen sah sie gar nicht so übel aus. Noch ein wenig Lippenstift, dann machte sie sich auf den Weg zu ihrem Vater.
Sie konnte zwar nicht verstehen, warum er sich diese Tortur freiwillig antat, aber er behauptete, als alter Parteifreund wäre es seine Pflicht, an den Trauerfeierlichkeiten teilzunehmen. Sie vermutete eher, dass er Langeweile hatte, jetzt, wo die Golfsaison endgültig vorbei zu sein schien.
Obwohl sie fünf Minuten vor der Zeit da war, stand er schon vor dem Haus. Gut sah er aus, mit seinem schwarzen Mantel und dem schlohweißen Haar.
Er bedeutete ihr einzuparken, doch sie öffnete nur das Fenster: „Komm, steig ein, mit deinem Schlitten bekommen wir doch nie einen Parkplatz.“
„Irrtum Kind, mit meinem Schlitten brauchen wir keinen Parkplatz.“
Dieser Logik konnte sie zwar nicht folgen, aber sie wollte nicht schon jetzt mit ihm diskutieren. Also sagte sie nur: „Okay, aber ich fahre.“
„Meinetwegen.“
Sie parkte seufzend ein und nahm in seinem großen, alten Mercedes Platz. Schön war er ja, mit seinen weinroten Ledersitzen und den Rosenholzeinlagen auf dem Armaturenbrett, aber verdammt unpraktisch.
Während sie den Wagen vorsichtig durch den dichten Morgenverkehr lenkte, fragte er: „Wie geht’s meiner Enkelin?“
„Im Moment vermutlich gar nicht gut, sie hat heute Literatur-Test und bestimmt zu wenig gelernt.“
„Das arme Kind, muss sich mit toten Dichtern herumschlagen, wo es doch so viel Spannenderes gibt.“
„Ich kann mich nicht erinnern, dass du mir gegenüber jemals auch nur halb so viel Bedauern ausgedrückt hättest.“
„Du warst sowieso immer eine Streberin. Deswegen hast du heute so wenig Verständnis für deine Tochter. Kerstin ist halt mehr der praktische Typ.“
Da sie sich bereits dem Friedhof näherten, enthielt sie sich einer Antwort, obwohl es sie schon längere Zeit wurmte, dass ihr Vater, wie auch ihr Exmann, immer die Verständnisvollen spielten und es ihr überließen, sich um den nervigen Alltag zu kümmern.
„Hier gleich rechts“, dirigierte er sie eben auf den Parkplatz der Ehrengäste.
„Ich weiß nicht, ich bin doch kein Ehrengast.“
„Ich schon“, antwortete er mit Würde und kletterte aus dem Auto. Der Parkwächter grüßte respektvoll und steckte eine Nummer hinter die Windschutzscheibe.
„Na bitte, geht doch“, lächelte er und reichte ihr seinen Arm.

*

Die Trauerfeier für Doktor Winter zog sich endlos dahin.
Auf dem Sarg stand ein Gesteck aus roten Rosen, davor der Kranz der Witwe, ebenfalls aus roten Rosen, flankiert von einer Vielzahl anderer Kränze mit schwarzen, roten und goldenen Schleifen.
Mein Gott, die arme Frau, dachte Sybille mit einem Blick auf die Mutter des Toten, die von ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn flankiert wurde. Daneben saß die Witwe, Linda Winter. Eine schlanke Schönheit, vielleicht Anfang vierzig, mit blondem Haar. Kerzengerade saß sie da, mit breitkrempigem Hut und Sonnenbrille. Sie kannte sie von einigen Veranstaltungen, hatte aber nie mehr als ein paar Höflichkeitsfloskeln mir ihr getauscht.
Als letzter Redner trat nun der Kanzler, Elmar Reifenstein, an das Rednerpult.
„Wir alle sind zutiefst erschüttert vom Unfalltod unseres Sozialministers. Mit Richard Winter verliert nicht nur eine Frau ihren Mann, eine Mutter ihren Sohn, unser Land verliert einen überaus beliebten Politiker, einen aufrechten Demokraten - wir alle verlieren einen Freund.“
Schleimer, dachte Sybille. Die beiden hatten sich nie gemocht. Sie erinnerte sich noch allzu gut an die Auseinandersetzung, die sie erst vor wenigen Tagen gehabt hatten; von Freundschaft war da wenig zu spüren gewesen.
Nun ja, im Angesicht des Todes sah manches anders aus, dennoch nahm sie dem Kanzler seine Trauer nicht ab.
„… couragiert beteiligte er sich an kontroversen Debatten, setzte Akzente, kämpfte für seine Überzeugung und verlor dabei nie das eine große Ziel aus den Augen …“
Papperlapapp. Einen engstirnigen Technokraten hatte er ihn genannt.
Nachdem der Kanzler seine Rede beendet hatte, spielte das Orchester das Largo aus Händels Oper Xerxes, ein ihr unbekannter Kammersänger sang das Ave Maria, dann, endlich,  setzte sich der Trauerzug in Bewegung.
(...)


Rezension folgt ...


Über die Autorin

1955  in Wien geboren, verheiratet, arbeitete lange Zeit im Bereich Immobilienverwaltung und
–vermittlung und ist derzeit als Sachverständige im Bereich der Immobilienbewertung tätig.
Seit 2011 veröffentlich sie heitere Gesellschaftsromane.
Bisher sind folgende Werke erschienen:
2011 Personal-Novel - das personalisierbare Buch
     „Tanten, Tee und Taxitänzer“
2012 Personal-Novel – das personalisierbare Buch
     „Grießbrei und kandierte Chilischote“
2012 Amazon Selfpublishing, als E-Book und Taschenbuch
     „Paragrafen und Grafen“
2012 Amazon Selfpublishing, als E-Book und Taschenbuch
     „Die andere Schwester des Papstes“
2012 Amazon Selfpublishing, als E-Book und Taschenbuch
     „Humor und Hausverstand erwünscht“
2012 Amazon Selfpublishing, als E-Book und Taschenbuch
     „Mütter, Töchter und andere Krisen“ (Neuveröffentlichung durch Amazon Crossing im Mai 2014)


Brigitte Teufl-Heimhilcher, Politik und rote Rosen


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21. April 2014

Dennis Will, Depressiv leben



Der Autor Dennis Will ist selbst an einer Depression erkrankt. Er weiß, wie schwierig es für Außenstehende und Angehörige ist, die Krankheit Depression zu verstehen und nachvollziehen zu können. Aus diesem Grund schreibt er in seinem E-Book über sein nicht immer einfaches und sehr bewegendes Leben mit seiner Depression. Er erzählt über seine Kindheit, in der die Krankheit Depression bei ihm bereits präsent war, setzt sich kritisch und hinterfragend mit seiner Vergangenheit auseinander und gibt mit Hilfe von nachdenklichen Texten und Gedichten Einblicke in die Gedankenwelt eines depressiven Menschen.


Rezension

Was für ein gut aussehender junge Mann,
war mein erster Eindruck, als ich das Cover sah. Einer, der aussieht, als wäre ihm das Glück in die Wiege gelegt worden. Jemand wie er kann doch nur erfolgreich sein, jede Menge Sympathie bekommen und Spaß im Leben haben.

Wie doch der erste Eindruck täuschen kann!
Dennis Will leidet seit seiner Kindheit an schwerer Depression. Und er schreibt ausführlich und sauehrlich darüber in diesem Buch. Es dürfte sich um eine reaktive Depression, gepaart mit einer endogenen handeln. Reaktiv aufgrund etlicher Schicksalsschläge, endogen, weil ihm die Krankheit, statt es oben gedachten Glücks, in die Wiege gelegt wurde.

Einige meiner guten Freundinnen und Freunde leiden
ebenfalls an dieser teuflischen Erkrankung, die man nicht sehen kann, die deswegen von vielen Mitmenschen als Jammerei oder Hypochondrie nicht ernstgenommen wird. Das verstärkt das Leid der Betroffenen. Wie sollen sie auch erklären können, dass ihnen die Welt grau oder schwarz erscheint, dass sie wirklich oft nicht in der Lage sind, morgens aufzustehen, sich zu waschen und sich dem Tag zu stellen? Das ist Schwerarbeit!

Überaus eindrucksvoll schreibt der Autor
hier über seine persönliche Situation, wie er lernen muss, damit umzugehen, nachdem er sich lange geweigert hatte, die Krankheit anzuerkennen. Schließlich lernt er, dass jeder Kampf dagegen aussichtslos ist, dass er sich mit ihr arrangieren muss, um überleben zu können. Das Buch ist behutsam geschrieben, mutig und mutmachend für andere Betroffene, dazwischen poetische Momente, in denen Dennis Will seinen Gefühlen Raum gibt.

Das Buch ist gut geschrieben, die Formulierungen klar und ehrlich, ich kann es wärmstens empfehlen.

Elsa Rieger        




Leseprobe hier im SALON



Der Autor Dennis Will auf seinem Blog:


Dennis Will, Depressiv leben

eBook auf Amazon

14. April 2014

Lena Paul, Herzensfreunde



Können Frauen und Männer befreundet sein, ohne den Reizen des anderen Geschlechtes zu erliegen?

Carolin, die junge, chaotische Mitarbeiterin einer Tageszeitung lernt in einem Wellness-Urlaub Mark kennen. Mark, den unwiderstehlichen Mann mit den strahlend blauen Augen, der jede Frau haben kann, die er nur will. Als er und Carolin Freunde werden, ahnt sie nicht, dass diese Freundschaft ihr Leben auf den Kopf stellen wird. Denn Mark ist nicht nur ein toller Freund, sondern eben auch ein großartiger Mann, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Ein Karussell der Gefühle setzt sich in Bewegung.

Während sie die Karriereleiter emporklettert, ist ihr Privatleben eine einzige Katastrophe. Irgendetwas läuft immer schief. Dabei wünscht sich Carolin doch nur eins: einen tollen Mann an ihrer Seite. Einen wie Mark, denn in jedem anderen sucht sie das, was sie an Mark so fasziniert. Am Ende zählen nur drei Fragen: Wo hört Freundschaft auf? Wo beginnt Liebe? Und wie geht man damit um, wenn die Grenzen zwischen beidem verschwimmen? Mutig stellt sich Carolin dem, was sie empfindet und erlebt eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle ...


Leseprobe

Wieder nur Rechnungen, Werbung und die üblichen dicken Versandhauskataloge! Carolin war es langsam leid, ihren Briefkasten aufzuschließen und darin immer dieselben uninteressanten und lieblosen Dinge vorzufinden.
„Wenn der Postbote nichts Besseres für mich in petto hat als das, dann verzichte ich demnächst komplett darauf, diesen Kasten zu öffnen!“, dachte sie erbittert, als sie das altbekannte Häufchen Elend herausholte und zum Fahrstuhl lief.
Kreditkartenabrechnung, Telefon und Strom, alle wollten immer nur Geld von ihr. Etwas Nettes hatte offensichtlich niemand für Carolin übrig. Dabei brauchte sie gerade jetzt ein wenig mehr als nur eine Streicheleinheit. Vor zwei Wochen erst hatte sie sich von ihrem Freund getrennt, nachdem dieser sie mit einer anderen Frau betrogen hatte. Zudem erwischte sie beide in flagranti in ihrem eigenen Bett! Ihre beste Freundin befand sich in den Flitterwochen und ihre Eltern erlebten gerade ihren dritten Frühling und hatten nichts anderes als sich selbst im Kopf. Dass es im Job gerade nicht besonders gut lief, kam zu allem Übel noch erschwerend hinzu. Offensichtlich hatte sie es wohl nicht verdient, glücklich zu sein.
Doch je länger sie darüber philosophierte, wie gut es doch alle anderen hatten (ihr Ex mit seiner hübschen Neuen – die Carolin am liebsten eigenhändig um die Ecke gebracht hätte –, ihre Freundin mit ihrem frisch angetrauten Ehemann in der Karibik und selbst ihre Eltern, die sie schon seit Jahrzehnten als asexuelle Wesen ansah), umso mehr nagte das schlechte Gefühl an ihr, nichts wert zu sein. Und dann noch die bevorstehende Augenoperation nach dem kommenden Wochenende! Warum konnte nicht wenigstens einer der vielen Menschen, die sie kannte, mal an sie denken, sie mit ein paar netten Worten aufmuntern und ihr Mut zusprechen? Andere Leute bekamen ständig liebevolle Briefe, witzige Karten oder zumindest eine SMS. Carolins Handy hingegen hatte schon seit Tagen keinen Ton mehr von sich gegeben.
Traurig stieg sie aus dem Fahrstuhl und öffnete ihre Wohnungstür. Wenigstens ihre Katze Diva war ihr treu ergeben und schwänzelte ihr schnurrend um die Füße, kaum dass die Tür zu ihren heiligen vier Wänden hinter ihr ins Schloss fiel. Sie räumte die Einkäufe in die Küche, machte sich in der Mikrowelle einen Auflauf aus dem Tiefkühlfach warm und setzte sich mit Diva auf die für eine Person samt Katze natürlich viel zu große Couch. Wenigstens der Blick in die Fernsehzeitung brachte keine weitere Enttäuschung, denn er versprach einen recht unterhaltsamen Abend mit den stylischen Girls von „Sex and the City“. Liebe, Leben, Lust, das war genau das, was Carolin jetzt brauchte, um nach einer anstrengenden Woche wieder runterzukommen.

In der Redaktion war wieder einmal alles drunter und drüber gegangen und während ihre Kollegen die wirklich interessanten Stories schreiben durften, landeten auf Carolins Schreibtisch nur Sachen, mit denen sich sonst niemand befassen wollte. Tagelang hatte sie nur Korrektur gelesen, was ihre Kollegen in ihre Tastaturen gehämmert hatten, hatte die Ablage ihrer im Urlaub befindlichen Kollegin auf Vordermann gebracht und dafür gesorgt, dass auch der eitelste und begabteste ihrer Mitarbeiter den Redaktionsschluss nicht verpasste. Der einzige von ihr selbstverfasste Artikel in dieser Woche drehte sich um einen Spieler der Kreisliga, der in den Himmel gelobt werden sollte, bis es nicht mehr ging, damit überhaupt jemand zu dem Spiel aufkreuzte. Fußball war nun wirklich nicht Carolins Thema. Was hätte sie nicht dafür gegeben, einmal über die Pret-à-porter-Modeschauen berichten zu dürfen … Über Schuhe, Taschen, die neuesten Modetrends! Doch dafür war eine Tageszeitung deutlich ungeeignet und Carolin konnte froh sein, als Quereinsteigerin überhaupt bei irgendeiner Zeitung arbeiten zu dürfen. Von der großen, weiten Medienwelt und einem Job bei der von ihr heißgeliebten Cosmolita konnte sie bisher allerdings nur träumen.
Gerade als sie ihre Tasche eingepackt, den Computer ausgeschaltet und sich auf den Feierabend gefreut hatte, wurde sie zur späten freitäglichen Stunde auch noch von einem schmierigen Kerl aufgehalten, der die Siebzig längst überschritten hatte, aber offenbar noch immer glaubte, unwiderstehlich zu sein.
„Wahrscheinlich war er in seinen besseren Jahren ein Playboy, so wie er sich aufführt. Einfach widerlich!“, dachte Carolin bei sich, als sie den Mann in ihr Büro lotste, wohl wissend, dass er ihr dabei die ganze Zeit auf den Hintern starrte.
„Nun fehlt nur noch, dass er seine Hände nicht bei sich behält!“, ging es ihr dabei durch den Kopf. Eine billige Hugh-Hefner-Kopie war das Allerletzte, das sie an diesem Abend um sich haben wollte. Schnell fuhr sie den Computer noch einmal hoch und nahm die Kontaktanzeige auf, für die der gute Herr sich in die Redaktion bemüht hatte.
„Mädels, seht zu, dass ihr auf die Bäume kommt, der Mr. Big Frankfurts ist auf Brautschau. Oder nein! Hugh Hefners kleiner Bruder sucht ein neues Bunny. Interessentinnen bitte in einer Reihe aufstellen!“
Carolin konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, sah sie doch einen kleinen, hageren, grauhaarigen Herrn sich gegenübersitzen, der meinte, in seinem hohen Alter noch immer jede Frau haben zu können. Zu allem Übel flirtete dieses verwitterte Wesen sie auch noch ganz ungeniert an. Frechheit!
„Also, junges Fräulein, hat Ihnen eigentlich heute schon jemand gesagt, wie bezaubernd Sie aussehen? Tolles Kleid!“
„Du willst wohl eher sagen, toller Ausschnitt!“, dachte Carolin bei sich. „Dumm nur, dass es für dich hier nichts zu holen gibt! Ich stehe zwar auf reifere Männer, aber auf Männer, älter als die Steinkohle, gewiss nicht!“
„Wenn ich vierzig Jahre jünger wäre, würde ich Sie jetzt fragen, ob sie mich spontan zum Abendessen begleiten. Wir hätten uns sicher viel zu erzählen und würden anschließend in die Nacht hinein tanzen. Und wer weiß, was uns sonst noch Hübsches einfallen würde, was? Mit Ihnen, hübsches Kind, hat man(n) bestimmt viel Spaß ...“ Die Anzüglichkeiten dieses ekelhaften Kerls waren wirklich kaum zu überbieten.
Carolin zog angewidert ihre Augenbrauen hoch und verkniff sich nur mit Müh und Not einen abweisenden Kommentar, der sich gewaschen hatte. Schließlich lebte die Main News auch von Anzeigenkunden wie diesem Ekel da und ließ nicht zu, dass sich ihre Mitarbeiter persönliche Befindlichkeiten erlaubten, die sich dem Erfolg des Blattes entgegenstellten. Also Augen zu und durch!

Nach jener nicht gerade aufbauenden Episode ihres Berufslebens arbeitete Carolin noch flugs die Einkaufsliste ab, die sie in der Mittagspause geschrieben hatte, und machte sich auf den Weg zur U-Bahn.
Vor einem Jahr war sie auf das Bitten und Betteln ihrer Freundin Marie hin endlich vom Land in einen Vorort Frankfurts umgezogen und hatte in der Mainmetropole schließlich ihren Job in der Redaktion der Main News ergattert. Einen Traumjob, wenn man bedachte, dass Carolin außer ein paar Volontariaten und schriftlichen Proben ihres Könnens nicht besonders viel vorzuweisen hatte. Jahrelang hatte sie in der Verwaltung einer Behörde als Sekretärin gearbeitet und tagein, tagaus den gleichen öden Tagesablauf gehabt. Bis sie eines schönen Tages auf die Anzeige der Main News stieß, die Quereinsteigern wie ihr die einmalige Chance offerierte, in der Redaktion einer bekannten Tageszeitung kreativ zu arbeiten und jeden Tag aufs Neue aufregende Dinge zu erleben, über die es zu berichten galt. Die bisher spannendsten Episoden ihrer Medienlaufbahn waren ein Interview mit Til Schweiger anlässlich eines neuen Films und ihr Besuch der Berliner Modewoche, über die sie auf sage und schreibe einer halben Seite berichten durfte. Für sie als Fashionista der ersten Stunde waren die Tage im fernen Berlin, in denen sie sich ausschließlich mit einem ihrer Lieblingsthemen (Mode) beschäftigen durfte, der Himmel auf Erden. Doch im Allgemeinen bestand ihr Job darin, die Nachrichten zu verkünden, die alle anderen Tageszeitungen und Rundfunkanstalten ebenfalls brachten, nur in ureigener Main News-Form.

Abwesend blätterte Carolin in ihrer Cosmolita und versank dabei in einem Tagtraum.
Sie sah sich durch eine riesige Glastür treten und einen langen Flur entlangschlendern, während ihr alle Menschen nachsahen und sie freundlich grüßten. Sie öffnete die Tür zu ihrem Büro, das nur mit edelstem Interieur ausgestattet war und an dessen Türschild in großen Lettern stand: Carolin Weidner, Cosmolita-Chefredakteurin. Von ihrem Schreibtisch aus genoss sie einen überwältigenden Blick über die Skyline der Stadt.
Es klopfte an der Tür und ein sexy Moderedakteur bat um Einlass in ihr Refugium, um Carolin die neuesten Modelle von Louis Vuitton und Prada vorzuführen. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum reichgefüllten Kostümfundus, um eine Modestrecke aus den neuen Herbstkollektionen zusammenzustellen und zu überlegen, welche Models dafür gebucht werden sollten.
Carolin lächelte selig, während sie sich all die schönen Dinge von Escada, Dolce & Gabbana, Versace und Co. vorstellte, die sie sich privat nie leisten konnte. Sie war schon froh, dass ihr Kleiderschrank überhaupt einige wenige Teile mit Namen aufwies. Natürlich keine großen Labels, aber immerhin ein paar Sachen, die man nicht mit 08/15 bezeichnen konnte.
Von all den schönen Dingen zu träumen, die sie besitzen könnte, wäre sie eine der Großen im Medienbusiness (mit entsprechend gefülltem Konto) ließ sie ihren Alltagstrott und die unliebsamen Gefühle des Nichts-wert-Seins kurz vergessen. Allerdings nur so lange, bis sich Divas Krallen unsanft in ihren Oberschenkel bohrten und ihr Stubentiger auf diese Weise ihre volle Aufmerksamkeit einforderte. Schnell füllte sie den Fressnapf ihrer treuen Begleiterin mit Futter und verschwand im Bad, um sich vor der freudig erwarteten Episode ihrer Lieblingssoap noch die Strapazen des Tages vom Leib zu waschen.

Frisch geduscht begab sich Carolin sodann mit Chipstüte und Schokolade bewaffnet auf die Couch, auf der Diva schon auf sie wartete. Ihre Serienheldin erschien eben auf dem Bildschirm und vollführte zum wiederholten Male den Balanceakt zwischen Kumpel und Vamp, auf den ein gewisser Mr. Big zu stehen schien. Carolin sog das Geschehen auf und erwischte sich dabei, dass ihr – wie jedes Mal, wenn sie Bilder von ihrem heimlichen Nabel der Welt (New York) sah – die Tränen über die Wangen liefen. Wie gern wäre sie jetzt an diesem Ort!
Als sie schließlich ins Bett ging, wusste Carolin, dass es gegen ihren Kummer nur eines gab: Shoppen!
Da traf es sich gut, dass sie noch einige Dinge für ihren Aufenthalt in der Augenklinik und den anschließenden Urlaub besorgen musste. Schnell war der Plan gefasst, dass es nicht bei den notwendigen Erledigungen bleiben würde, sondern dass nach langer Zeit wieder einmal ein ausgiebiger Bummel durch die Stadt fällig war. Morgen würde sie so richtig shoppen gehen!
Sicher würde sie sich keine Manolo Blahniks kaufen, aber Schuhe mit Sicherheit, denn Schuhe zu kaufen beruhigt erwiesenermaßen ungemein. Vor allem aber ruinierten Schuhe nicht die Figur, so wie die Süßwaren es taten, die Carolin soeben vor dem Fernseher in sich hineingestopft hatte! (...)

(...)
Zwei Tage waren vergangen, seit Carolin im Sea Palace eingecheckt hatte. Zwei Tage, in denen sie bis zehn Uhr geschlafen und sich nach einem ausgedehnten späten Frühstück erst einmal eine Massage gegönnt hatte. Anschließend hatte sie noch einmal etwas geruht, war dann zu Mittag ins Restaurant gegangen und hatte danach den Friseur besucht und ihre kaputten Nägel auf Vordermann bringen lassen. Gegen Abend, als die Sonne nicht mehr so gleißend hoch am Himmel stand, hatte sie sich im Park an einem Buch gütlich getan und die Schwäne auf dem See beobachtet.
Schon bei ihrer Ankunft hatte sie verschiedene Behandlungen für Körper und Geist gebucht, um zu testen, welche der vielen Möglichkeiten ihr am besten gefielen und am wohlsten taten. Die Ruhe der letzten Tage, die Massagen, ein Bad in Rosenblättern und eine Schokoladenmaske waren herrlich gewesen und hatten keine Langeweile aufkommen lassen. Die vielfältigen Möglichkeiten des Sea Palace gefielen ihr so gut, dass sie noch weitere Wellnessbehandlungen bis zum Ende ihres Aufenthaltes vereinbart hatte und jeden Tag etwas auf dem Programm stand, worauf sie sich freuen konnte.
Auch das Essen war wieder zu einem Genuss geworden. Schließlich hatte sie die Mahlzeiten in letzter Zeit berufsbedingt oft gar nicht oder nur sehr unregelmäßig zu sich genommen. Gewöhnlich schlang sie abends nur schnell etwas aus der Mikrowelle in sich hinein, um nicht hungrig ins Bett gehen zu müssen. Ihren Herd hatte sie schon lange nicht mehr benützt, um genüsslich zu kochen und sich selbst oder irgendwen anderen zu verwöhnen. Woher auch die Zeit nehmen? Als Singlefrau ohne jeglichen Anhang war es für sie keine Seltenheit, dass sie auch zu Hause an ihren Job dachte, selbst wenn sie längst Feierabend hatte. Manchmal fielen ihr mitten in der Nacht Aufmacher für einen neuen Artikel ein oder sie konnte nicht schlafen, weil ihr die Nachrichten aus aller Welt nicht mehr aus dem Kopf gingen. Und oft genug erwischte sie sich dabei, dass sie in solchen Momenten dachte, wie schön es doch wäre, wenn es jemand in ihrem Leben gäbe, der sie von ihrem Arbeitseifer befreite, der dazu führte, dass sie nicht zur Ruhe kam. Jemand, der für sie da war, wenn sie nach Hause kam. Jemand, neben dem sie am Abend einschlafen und am nächsten Morgen wieder aufwachen würde. Jemand anderer als ihre Katze Diva. Ein Mensch, der ihr Leben mit ihr teilte und ihr zeigte, dass es auch noch etwas anderes gab als die Redaktion und die eigenen vier Wände.
Die einzige Konstante in Carolins Leben war, seitdem sie nach Frankfurt gezogen war, ihre Freundin Marie. Doch die war ja jetzt verheiratet und genoss ihr Glück als frischgebackene Ehefrau. Das fünfte Rad am Wagen zu sein, war nie Carolins Lieblingsrolle gewesen. Sie wollte die Hauptrolle in ihrer eigenen Liebesgeschichte spielen und nicht die des Zaungastes in Maries Lovestory.
Und so wünschte sie sich sehnlich, auch einen Mann zu finden, mit dem sie ihr momentanes Singledasein wieder beenden konnte.
Nur leider ließ dieser Mann auf sich warten und auch unter ihren Kollegen war nichts Brauchbares zu finden. Das hatte Carolin schon ausgekundschaftet, kaum dass sie in der Redaktion angefangen hatte. Dabei war sie zu dieser Zeit noch mit ihrem Exfreund Constantin liiert gewesen.
„Schon komisch...“, fiel ihr jetzt auf. Sah man sich denn, wenn man eigentlich glücklich war, nach anderen Männern um? Sie tat es. Doch alle Männer, die in ihren Augen halbwegs etwas hermachten, waren entweder verheiratet, liiert oder schwul.
„Irgendwann kommt der Tag, an dem auch mir das Schicksal meinen Traumprinzen auf einem Silbertablett serviert!“, sagte Carolin sich nun.
Noch hatte sie den Glauben an die große Liebe nicht verloren.

In ihre Cosmolita vertieft saß Carolin auf der Terrasse des Restaurants und wartete auf das leckere Gratin, dass sie kurz zuvor bestellt hatte. Sie ließ ihren Blick dabei kurz durch den Raum schweifen, in dem sich gerade viele der Hotelgäste einfanden, um ebenfalls zu Mittag zu essen.
Plötzlich, wie aus heiterem Himmel, durchzuckte Carolin ein Blitz, der ihr durch Mark und Bein ging. Sie schüttelte den Kopf, als wolle sie sich vehement gegen etwas wehren, schloss für einen kurzen Augenblick ihre Augen und öffnete sie dann ganz vorsichtig wieder.
NEIN, sie hatte sich nicht getäuscht. Inmitten einer Menschenmenge hatte sie soeben die schönsten blauen Augen des Universums entdeckt. Leuchtende, vor Fröhlichkeit strahlende Augen, die sie sofort in ihren Bann zogen. Die Menge lichtete sich und im nächsten Augenblick wusste Carolin: Das ist er!
Sie war wirklich wie vom Blitz getroffen. Keine zwanzig Meter von ihr entfernt hatte Carolins Traummann den Raum betreten und von jetzt auf gleich gab es nichts mehr, das wichtiger war als dieser Mann.
Warum, weshalb, wieso? Carolin hatte keine Ahnung. Sie sah ihn und wusste, dass dieser Mann ihr Mann war. Der eine, auf den sie schon so lange gewartet hatte und den sie ein Leben lang lieben würde. Derjenige, der für sie bestimmt war. Sie war sich einfach sicher, auch wenn sie noch kein einziges Wort mit ihm gewechselt, keinen noch so kleinen Blick oder ein Lächeln mit ihm getauscht hatte.
„Das ist mein Traummann!“, war der erste und einzige Gedanke, der Carolin bei seinem Anblick durch den Kopf ging.
Fortan konnte sie nicht anders, als ihn immer und immer wieder anzusehen. Ihr Herz stolperte vor Aufregung und machte Luftsprünge, als er sich an einem Tisch in ihrer Nähe niederließ und ein Wasser bestellte. Seine Stimme war klar, ruhig und sanft. Stundenlang hätte er weiterreden können, hätte die Speisekarte von oben nach unten und zurück vorlesen oder über Gott und die Welt philosophieren können, wenn er nur nie wieder damit aufhörte. (...)

Die Autorin Lena Paul
Ich wurde 1980 in einer brandenburgischen Kleinstadt geboren, ging dort zur Schule und habe mit 18 Jahren eine schulische Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht. In diesem Beruf habe ich dann auch ein paar Jahre gearbeitet, meine große Liebe war er jedoch nie. Seit ich 15 Jahre alt war, wollte ich schreiben, habe meinen Traum aber erst mit 27 nach einer Reise nach New York wieder aufgenommen und endlich wahr gemacht. Zum Schreiben kam ich durch ein Schulprojekt, das mich so begeistert hat, dass ich ursprünglich Journalismus studieren wollte. Seit meinem 18. Lebensjahr war ich zudem viele Jahre haupt- wie nebenberuflich für einige Reisebüros sowohl im Büro als auch als Reiseleiterin tätig. Mein Debüt als Autorin gab ich 2009 mit meinem Buch „Miss Liberty“. Mein Roman „Herzensfreunde“ ist im März 2014 erschienen und soll nicht mein letzter Roman bleiben. Zurzeit arbeite ich an einem literarischen Road-Movie.



Lena Paul, Herzensfreunde

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