Salon

Salon

Rezensionen

Vorläufig aus Zeitgründen geschlossen.

31. August 2015

Wilhelm Ruprecht Frieling, WELTBERÜHMT DURCH SELF-PUBLISHING




Was Autoren aus der Geschichte des Veröffentlichens lernen können

Frieling erzählt von heute weltberühmten Schriftstellern, die anfangs niemand verlegen wollte. Johann Wolfgang von Goethe, Edgar Allan Poe, Marcel Proust, Heinrich Mann, Ernest Hemingway, Hermann Hesse und Edgar Wallace zählen dazu. Sie alle brachten ihr Buch selbst auf den Markt und legten damit den Grundstein für ihre spätere Karriere.

Der in dem Geschäftsmodell seit Jahrzehnten bewanderte »Grandfather des Self-Publishings« schildert anhand ausgewählter Lebensläufe den Weg von Literaten, die unabhängig von Verlagen publizierten. Er nennt unter anderem elf Literaturnobelpreisträger, die Werke ohne fremde Hilfe herausgaben. Auf unterhaltsame Weise belegt er, dass das selbstständige Veröffentlichen die gesamte Geschichte des Schreibens prägt. Stets nutzten Dichter und Poeten die Möglichkeiten des verlagsunabhängigen Publizierens. Self-Publishing erwies sich für sie als Schlüssel zum Erfolg.

Self-Publishing entwickelt sich durch die Erfindung der E-Books zu einem Massenphänomen. Das Verlegen auf eigene Faust ist gleichwohl keine Idee des digitalen Zeitalters, sondern seit Jahrhunderten ein Erfolgskonzept. Ruprecht Frieling führt seine Leser deshalb über die Hinterhöfe der Literaturgeschichte und erläutert, wie namhafte Autoren vor dem großen Boom mit dem Thema umgingen.


Rezension:

Zunächst ein persönlicher Exkurs
in mein 40-jähriges Buchhändlerdasein. Ich begann 1966 meine Lehre in der renommiertesten Literatur-Kunst-Buchhandlung im Herzen Wiens. Bei uns gingen berühmte AutorInnen wie Peter Handke, Thomas Bernhard, Ingeborg Bachmann, John Irving etc.pp ein und aus. Auch die großen Verleger von damals kamen bei ihren Wien-Besuchen gerne auf einen Kaffee vorbei. Herr Keehl vom Diogenesverlag, Herr Unseld von Suhrkamp sowie die Herren von Hanser und Insel, um nur die damals ganz Großen zu nennen.
Und dann kamen auch Autoren mit flehenden Blicken, in der Hand ihr Lyrikbändchen oder ein Prosabuch, das selbst verlegt worden war. Sie hatten keine Chance, dass ihnen ihr teuer erzeugtes Druckwerk abgenommen wurde. Ganz selten, wenn wir Mitleid hatten, übernahmen wir 1-2 Büchlein in Kommission. Wöchentlich fragten die geplagten AutorInnen hoffnungsvoll nach, ob etwas verkauft ist. Nein, diese Werke dümpelten leicht angestaubt in den Regalen. So war das damals. Der Verlag war König, er gab seinen Autoren reichlichen Vorschuss für ihr Manuskript. Scheute sich nicht, in Debüts zu investieren, tja, da war noch Geld (und Lektor!) drin.

Und jetzt kommt Ruprecht Frieling daher
und erzählt mir, dass es eine große Menge von Schriftstellern gab, die das Schicksal dieser armen Autoren teilten, die ich oben beschrieben habe. Ich teile dieses Schicksal übrigens auch, da ich den Großteil meiner Texte selbst zu Büchern mache und verlege. Wie gut tut das der wunden Seele der Schreiberin, zu lesen, dass sie mit den ganz großen Schreibern durch alle Zeiten darin verbunden ist. Es macht Mut, ich rücke mein Krönchen zurecht und verlege weiterhin meine Werke ohne Großverlage, so! Das hat Herr Frieling nun bewirkt.

Zu hoffen bleibt,
dass die Buchhändler eines Tages (wenn sie den Selfpublisher-Boom überdauern!) sich doch entschließen, diese (unsere) Bücher in ihrem Sortiment aufzunehmen. Denn als Schreiber 2. Klasse sein Dasein zu fristen, war weder für Schriftsteller wie Goethe, Hesse, Mann etc. prickelnd, noch ist es dies für jene von uns, die richtig gute Romane schreiben. Auch für die Buchhändler ist es ein großer Kampf des Überlebens geworden, da der findige Leser ja ausweichen kann und sich Buchstabenfutter auf den Internetplattformen holt, so what. Umdenken ist nötig. Vielleicht hört das Augenverdrehen und Naserümpfen über Selbstverleger irgendwann auf; wäre schön.

Gut aufgebaut der Exkurs
zur Geschichte der Schrift, des Buchdrucks, schließlich der Verlagslandschaft und des Handels mit Büchern. Und ein schönes Fazit: Wir dürfen heutzutage alle verlegen, ohne aufs Klinkenputzen an Verlagstüren angewiesen zu sein!

Elsa Rieger

  


Der Autor:
Ruprecht Frieling aka Prinz Rupi verfügt über Kenntnisse und Erfahrungen aus 40 Berufsjahren als Autor, Verleger und publizistischer Berater. Der E-Book-Pate (so »Die Zeit«) ist auf Fragen des digitalen Publizierens sowie des Marketing in Social Communities spezialisiert.

Frieling betreibt mehrere Medien-, Kunst-, Literatur- und Musik-Blogs. Er leitet das Portal www.literaturzeitschrift.de und wirkt als Produzent im Kulturbereich. Frieling veröffentlichte in deutschen und amerikanischen Magazinen, publizierte dutzende klassische Print-Bücher und E-Books.

Newsletter-Bestellung: frieling@aol.com




Wilhelm Ruprecht Frieling, WELTBERÜHMT DURCH SELF-PUBLISHING

Titel lieferbar als Paperback und E-Book

12. August 2015

Helga Jursch, Tango im Dreivierteltakt



Paul Pfeifle hasst nichts mehr als Reisen, aber ausgerechnet seine Frau muss mit einem Argentinier nach Südamerika entfliehen. Er ist wild entschlossen, sie zurückzuholen. Dazu wendet er sich an den Fotografen Rudi, der sich in der Welt auskennt und eigentlich lieber Bilder machen als eine unbekannte Frau jagen möchte. Kann die Suche nach der Frau unter diesen Voraussetzungen überhaupt erfolgreich sein? Zumal gleich zu Anfang einige Missgeschicke das Gelingen des Unternehmens in Frage stellen. Aber Paul gibt nicht auf, obwohl er sich die bange Frage stellt, ob seine Frau überhaupt bereit ist, zu ihm zurückzukehren.
In einer rasanten Erzählung voller irrwitziger Ideen stolpern die zwei Helden von einem Abenteuer ins nächste. 
Ein Lesegenuss, der die Lachmuskeln strapaziert.

Eine witzige, spritzige Roadnovel durch Südamerika, gespickt mit vielen verrückten Abenteuern, gewürzt mit sehnsuchtsvoller Liebe und einer Prise Erotik.

Leseprobe:

(...) Als Frau Häberle Herrn Roderich Meyer ins Büro bat, ging es Paul Pfeifle alles andere als gut. Zwar liefen die Geschäfte der schwäbischen Oberremser Präzisionsbohrer prächtig, aber Pfeifles Frau Merle war mit dem argentinischen Praktikanten verschwunden, was ihr Mann nicht verwinden konnte. Meyer trat ins Büro und hatte den Eindruck, als habe Pfeifle gerade geweint. Seine Augen waren rot, seine sonst so gepflegten Haare strähnig und das Hemd hing halb aus der Anzughose heraus. Er seufzte tief. „Herr Meyer, ich habe ein Problem.“ Er klopfte mit einem Kugelschreiber unablässig auf die Schreibtischunterlage.
Meyer schaute sich das Desaster betreten an. „Was ... was ist mit den Bildern schiefgelaufen?“
Pfeifle seufzte tief und ließ sich auf seinen Chefsessel plumpsen.
„Nichts. Mit den Bildern ist alles in Ordnung.“
Meyer atmete auf. Als ständig abgebrannter, freiberuflicher Fotograf war er dringend auf die Einnahmen für den Pfeifleschen Katalog angewiesen. Aber was sollte Pfeifle von ihm wollen? Fragend blickte er ihn an.
„Herr Meyer, Sie ... Sie kennen sich doch in der Welt aus?“
„Einigermaßen. Warum?“
„Sie können doch Spanisch, oder?“
„Ja.“
„Herr Meyer, Sie müssen mir versprechen, dass Sie mit niemandem ...“, dann machte er eine wegwerfende Handbewegung. „Ach, egal! Also, meine Frau ist durchgebrannt. Mit diesem blöden Argentinier aus der Exportabteilung.“
„Das tut mir leid“, sagte Meyer, obwohl es ihm kein bisschen leid tat.
„Ja. Danke. Und jetzt sind die zwei in Buenos Aires.“
„Verstehe. Soll ich mit Herrn Molina telefonieren?“
„Nein. Ich will meiner Frau hinterherfliegen. Aber ich hasse reisen. Ich war ja noch nie so richtig im Ausland. Ich will, dass Sie mich begleiten.“
„Aber ich muss den Katalog doch noch fertig machen.“
„Die paar Tage sind egal.“
„Aber ich muss mich um einen Folgeauftrag kümmern.“
„Meyer, Sie müssen mir helfen!” Wie Pfeifle mit seinen verweinten Augen eine theatralische Geste machte, musste Meyer sich sehr zurückhalten, um nicht zu lachen, obwohl ihm klar war, dass die Situation hochdramatisch war. „Ich zahle auch alles. Reisekosten, Verdienstausfall, das soll Sie alles nicht kümmern.“
„Und wenn wir Ihre Frau nicht finden?“
Wie vom Donner gerührt erstarrte Pfeifle. Daran hatte er überhaupt nicht gedacht. „Glauben Sie nicht, dass wir sie finden?“
„Nun, ich halte die Wahrscheinlichkeit für nicht allzu groß.“
„Scheiße!“ Pfleifle schlug auf den Schreibtisch. Dann atmete er tief ein und straffte seinen Oberkörper. „Egal, wir fahren! Frau Häberle hat schon Flüge gesucht und die Mädchen sind ohnehin bei meinen Schwiegereltern. Kennen Sie vielleicht ein gescheites Hotel?“
Meyer staunte über die Zielstrebigkeit seines Auftraggebers. „Nein, Hotel kenne ich keins. Wenn ich in Buenos Aires bin, gehe ich zu meiner Freundin Juana.“
„Gut! Sagen Sie ihr, dass wir kommen. Vielleicht kann sie uns ja am Flughafen abholen.“
Meyer blieb mit offenem Mund stehen. Pfleifle hatte seinen Laden voll im Griff und duldete allgemein keinen Widerspruch, und dass er jetzt ungefragt über seinen Freundeskreis verfügte, gefiel Meyer gar nicht. „Herr Pfeifle, ich habe noch keine Zusage gegeben, und ob ich meine Freundschaften einspannen will, weiß ich auch noch nicht.“
„Also gut: Ich übernehme alle Unkosten und zahle Ihnen ein gutes Honorar. Sie helfen mir im Gegenzug, meine Frau zu finden und sind sich für nichts zu schade.“ Er stand auf und streckte Meyer die Hand entgegen.
Meyer fuchtelte mit seiner Hand zögerlich herum. „Wieviel zahlen Sie?“
„Soviel wie Sie fürs Fotografieren bekommen.“
„Pro Stunde?“
„Pro Stunde, solange Sie sich um mich kümmern.“
Meyer pfiff leise und schlug dann kraftvoll ein.

Zwei Stunden später fuhr Frau Häberle sie zum Flughafen. Pfeifle rutschte unbehaglich auf dem Sitz hin und her.
„Ist was, Herr Pfeifle?“, wollte Meyer wissen.
Pfeifle schüttelte den Kopf.
„Der Herr Pfeifle fliegt nicht gern“, warf Frau Häberle ein.
„Oh!“, meinte Meyer. „Bei den vierzehn Stunden nonstop, die uns jetzt bevorstehen, kann ich mir vorstellen, dass es Ihnen nicht so gut geht. Wo....“ Schlagartig hielt er inne. Er wollte Pfeifle fragen, ob es wirklich eine gute Idee war, seiner Frau hinterherzureisen. Aber die Aussicht, eine Reise nach Südamerika spendiert zu bekommen, ließ ihn innehalten. Pfeifle sollte gar nicht auf die Idee kommen, umzudrehen.

„Ich glaub, ich spinn!“ Als sie in der Schlange zum Einchecken standen, wurde Pfeifle zunehmend nervöser. „Meyer, gucken Sie sich doch nur die vielen Kinder an! Der Flug wird der reinste Horror werden. Wer um alles in der Welt muss mit kleinen Kindern so weit wegfliegen?“ Pfeifle fingerte ein Papiertaschentuch aus der Packung und wischte sich den Schweiß ab. Obwohl er es allen vor der Abfahrt eingeschärft hatte, schrieb er den Kindern, den Großeltern, den Freunden und den Mitarbeitern nochmals eine Nachricht, dass sie unter keinen Umständen Merle verraten dürften, dass er hinter ihr her wäre. Auf ihre Fragen sollten sie sagen, dass er auf Geschäftsreise wäre.
Sie bestiegen das Flugzeug. Zu allem Überfluss teilten die beiden sogar eine Sitzreihe mit einem Kind. Eine Mutter saß mit zwei Kindern in der Reihe hinter ihnen und platzierte ihr drittes Kind auf dem Gangplatz in der Reihe vor sich. Diesen Platz hatte Pfeifle sich zwar gesichert, aber Meyer bewog ihn dazu, ihn zugunsten des Kindes aufzugeben. Sonst würde das Kind die ganze Zeit über ihn klettern. Pfeifle leistete keinen Widerstand und man sah ihm an, dass es ihm schlecht ging. Während Pfeifle jedes Mal, wenn die Stewardess vorbeikam, ein alkoholisches Getränk bestellte und Meyer rappelig wurde, weil er so lange auf seine geliebten Zigaretten verzichten musste, benahmen sich die Kinder absolut vorbildlich.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Merle Buenos Aires schon verlassen. Eigentlich hatte sie keinen Grund gehabt, mit ihrem Leben unzufrieden zu sein. Ihre beiden Töchter waren gut geraten, Haus, Garten und Autos waren schön, ihr Mann war treu und zuverlässig. Seit die Kinder größer waren, machte sie in der Firma ihres Mannes die Buchhaltung. Und trotzdem war sie nun in einem Himmelfahrtskommando nach Argentinien aufgebrochen, mit einem Mann, halb so alt wie sie. Sie versuchte selber zu verstehen, wie ihr das passieren konnte. Hin und wieder überkam sie eine unbestimmte Sehnsucht. War es das Gefühl, am Ende der Fahnenstange zu sein? Angst vorm Alter? Die Ahnung, dass ihr Leben ewig so weitergehen würde? Niemand verstand sie, am allerwenigsten sie sich selber. Alle fanden zu Recht, sie solle für das dankbar sein, was sie habe. Ganz besonders Paul, ihr Mann, der mit seinem Leben sehr zufrieden war. Ihn schreckte die Aussicht nicht, bis an sein Lebensende so weiterzumachen. Im Gegenteil. Er fand das richtig gut. Nur keine Aufregung, alles ordentlich in geregelten Bahnen. Wenn er wenigstens im Urlaub ein wenig ausbrechen würde! Immer ging’s mit dem Auto nach Tirol, weil Paul das Fliegen hasste. (...)



Die Autorin:
Helga Jursch wurde 1960 in Hamburg geboren und lebte schon als Kind im Ausland. Dies führte zu einem bislang unstillbaren Drang in die Ferne, der in regelmäßigen Abständen ausbricht. Wenn sie nicht auf Reisen ist, lebt sie mit ihrer Familie und einer Katze in der Nähe von Stuttgart.


Helga Jursch, Tango im Dreivierteltakt

eBook und Taschenbuch bei Amazon