Salon

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Rezensionen

Vorläufig aus Zeitgründen geschlossen.

26. November 2015

Ursula Tintelnot, Violetta




Wer bin ich? Dieser Frage muss sich Violetta nach einer Testamentseröffnung stellen, die ihr ganzes bisheriges Leben auf den Kopf stellt. Die alleinerziehende Mutter von Zwillingen ist leidenschaftlich, klug und sehr distanziert. Gerade diese Distanz reizt die Männer, die diese attraktive, anziehende Frau treffen. Sie lässt sich lieben, aber liebt sie auch? Liebt sie die Männer oder nur den Sex? Nur die Vorstellung von Liebe?
Violetta ist eine Frau auf der Suche nach dem richtigen Weg, nach ihrer Identität! Diese Suche führt sie von Hamburg nach Dresden, nach Wien, und in die Toskana. Findet sie ihr Glück da, wo sie es niemals gesucht hat? Wird sie in Lucca, der Stadt der Oper, dem Geburtsort Puccinis, ihrem Schicksal begegnen? 



Rezension

Ach wie schön, einmal so einen Roman zu lesen! 
Im Grunde habe ich es nicht so mit Romantik, in dem Fall kommt sie aber so elegant und kitschfrei daher, dass ich mich drauf einlassen konnte. Die Autorin hat ihre Protagonistin, eine schöne (fast zu schöne) junge Frau, Alleinerzieherin von Zwillingsbuben, als äußerlich kühle Person gezeichnet, was ihre Beziehung zu Männern betrifft. Sie kann sich nicht klar für einen der Kerle, die ihr samt und sonders zu Füßen liegen, entscheiden, nimmt aber deren Liebesgaben dennoch an. Sie geht auch gern mit ihnen ins Bett, weil sie ja auch Bedürfnisse hat. 

Und dann erbt sie. 
Völlig unerwartet fällt ihr ein Landhaus in der herrlichen Toskana zu, das ist nun der Einstieg für Violetta, ein Familiengeheimnis zu lüften, in dem sie die Hauptrolle spielt. Sie entdeckt unangenehme Parallelen zwischen ihrer Mutter und sich selbst. Damit erlangt sie aber auch besseren Zugang zu ihrer eigenen Person, und Masken fallen, hinter denen sie sich versteckt hat. Sehr schön, die Entwicklung Violettas und ihres weiteren Lebens. 

Ich trau es mich ja fast nicht zu sagen, 
aber ich bin an den Zeilen geklebt, wollte unbedingt wissen, was denn nun liebestechnisch endlich zu einem guten (?) Ende kommen kann, bis weit nach Mitternacht. Ein Buch, das bei mir Herzklopfen erzeugt hat, passiert mir selten. Zudem hat mich die liebevolle Beschreibung der Landschaft und das passende Cover erfreut.

Technisch ließe sich aber 
ein bisschen was machen, es fehlen manchmal Anführungszeichen bzw. sind falsch gesetzt, etliche Flüchtigkeiten sind mir aufgefallen, mein Lektorenauge sieht das nun mal gleich. Das könnte bereinigt werden. Tut aber der Geschichte selbst keinen Abbruch, ein Buch fürs Herz. 
Ich empfehle es sehr gern! 

Elsa Rieger
      



Ursula Tintelnot, Violetta 

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1. November 2015

Der Winterwolf - Weihnachtsanthologie



Herausgeberin: Elli H. Radinger
Was macht Santa, wenn der Wolf an Weihnachten eines seiner Rentiere frisst?
Wie verhält sich der zur Arbeit in einem Zoo verurteilte jugendliche Straftäter, wenn ein Wolf ihm Lebensratschläge gibt?


Wie haben Menschen und Wölfe vor 20.000 Jahren den Winter verbracht?
Diese und viele andere fantastische, spannende und magische Geschichten von 14 Autoren aus ganz Deutschland finden Sie in dieser weihnachtlichen Wolfsanthologie.

http://www.wolfmagazin.de/html/der-winterwolf.html

Leseprobe:

Eifelwolf

von Manu Wirtz

Vorsichtig und wachsam näherte sich der Wolf dem Abgrund. Er stand auf dem Felsen der Munterley und blickte auf das leuchtende Gerolstein im Tal  unterhalb der Dolomiten. Der Dezemberabend in der Vulkaneifel war klirrend kalt und sternenklar. Die Lichter der Stadt funkelten zu ihm  hinauf.

Schornsteinrauch aus unzähligen Kaminen kräuselte sich in der kalten Luft und die Gerüche bildeten ein Potpourri mit dem Tannen- und Kiefernduft des  Waldes, den Autoabgasen und anderen typischen Ausdünstung einer menschlichen Ansiedlung. Partikel von Nahrungsgerüchen aus den Klimaanlagen der Restaurants streiften seine Nase. Das erinnerte ihn, dass er seit Langem nichts mehr in den Magen bekommen hatte, und hungrig leckte er sich über die Schnauze.

Der Rüde war an den Flanken grau-braun gezeichnet, weiß an der Innenseite  der Läufe und am Bauch, mit einem dunklen Streifen am Rücken und an den Vorderläufen. Er war jetzt drei Jahre alt und seit gut einem Jahr von den italienischen Apenninen über die französischen Alpen unterwegs gewesen, bis  er vor einigen Wochen seine Pfoten auf deutschen Boden gesetzt hatte. Eine  Zeit lang hatte er in den Wäldern des Saarlandes gelebt. Die dichte Vegetation und der Wildreichtum waren ideal für den Streuner gewesen. Aber die Einsamkeit hatte ihn weitergetrieben. Er war auf der Suche nach einer  Partnerin, mit der er ein eigenes Rudel gründen konnte. Sein Trieb hatte ihn bis in die Eifel geführt.

Seine scharfen Augen verfolgten die winzigen Punkte und Lichter, die sich in der Ferne bewegten. Menschen und Autos wimmelten durch die weihnachtlich beleuchtete Stadt und verstärkten das Summen, das bis zu dem Wolf auf dem Felsvorsprung hinauf klang.

Plötzlich erregte ein ferner, nur für seine Ohren wahrnehmbarer Laut seine Aufmerksamkeit. Er bewegte seine Lauscher in die Richtung, aus der er kam. Das feine Gehör filterte den harmonischen Klang aus dem   Hintergrundrauschen der Stadt heraus. Der Wolf wandte seinen Kopf . Die auf und abschwellenden Töne waren ihm vertraut.

Sein Herz klopfte heftig, als er den Gesang eines Wolfsrudels erkannte. Erregt trat er ein paar Schritte zurück und winselte leise. Er drehte sich nach allen Seiten und reckte seine Nase. Nach ein paar Augenblicken konnte er schon etliche Stimmen in dem Chor ausmachen. Da streckte er den Kopf in den Abendhimmel und antwortete mit einem langgezogenen Heulen. Dabei zog er die Lefzen eng, um den Laut zu modulieren. Wieder lauschte er. Die ferne Vokalgruppe hatte ihren Gesang abrupt unterbrochen. Es dauerte eine Weile, bis er Antwort bekam. Jetzt war der Chor etwas lauter und vielstimmiger; der einsame Zuhörer konnte die Stimmen von mehreren Alttieren unterscheiden. Zwischendurch vernahm er auch ein paar helle Töne von Jungtieren. Der Rüde hechelte aufgeregt und tänzelte mit den Vorderpfoten auf der Stelle. Er winselte und leckte sich über die Schnauze.

Zuletzt war er in den französischen Alpen auf einen Artgenossen gestoßen. Eine kurze Zeit waren die beiden Junggesellen gemeinsam umhergezogen. Das lag schon Monate zurück und er hatte fast die Hoffnung aufgegeben, jemals wieder anderen Wölfen zu begegnen.

Der Wanderwolf hielt seine Nase in den Luftstrom, um zu festzustellen, woher der Schall kam. Angestrengt lauschte er in die Nacht. Dann drehte sich der einsame Graue um und lief durch den Wald auf die Lautquelle zu. Auf seinem Weg blieb er immer wieder kurz stehen, horchte, heulte den Mond an und horchte erneut auf die Antwort des fernen Chors.(...)

Der Winterwolf - Weihnachtsanthologie