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Rezensionen

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30. Mai 2016

Ruprecht Frieling, DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG. Ein Opern(ver)führer


Ein verliebter Ritter möchte ein Mädchen erobern, das als Preis eines Sängerwettstreites ausgesetzt wurde. Dazu muss der junge Mann allerdings in die Geheimnisse der Meistersinger eindringen, die den Sängerwettkampf ausschreiben und sich hinter einem komplizierten Regelwerk verstecken.
Richard Wagner verarbeitete das Thema zu einer großen Künstleroper mit einer enormen Portion Humor, feinstem Sprachwitz, Situationskomik und Spott, während auf der Bühne die Fetzen fliegen.

Die »Meistersinger von Nürnberg« präsentieren sich in der Nacherzählung von Ruprecht Frieling entsprechend als komische Oper, die sich gegen Spießbürgertum und Engstirnigkeit in der Kunst ausspricht. 



Rezension

Im Gegensatz zu Ruprecht Frieling
hab ich es ja nicht so mit Richard Wagner. Vor allem die Texte, die er den Sängern in den Mund schreibt, finde ich zum großen Teil schauerlich. Ich kenne aber eine Menge Leute, die davon begeistert sind. Ich gehöre jedenfalls nicht dazu. Allerdings sind die Meistersinger eine löbliche Ausnahme, denn da fliegen die Fetzen und es ist tatsächlich Sprachwitz und Humor wahrzunehmen.

Trotzdem habe ich dieses Buch sehr gern gelesen, 
denn Frielings Beschreibungen sind mit so viel Wortwitz formuliert, dass ich richtig Spaß hatte, mich an die Meistersinger - als Teenager zuletzt in der Wiener Staatsoper gesehen - zu erinnern. Ich denke, es ist die lustigste Oper, die Wagner je geschrieben hat, ganz ohne "Wiegelaweia" und derlei Schrecklichkeiten. Hier geht es um Grundlegendes, um den Kampf zwischen Tradition (Beckmesser) und Erneuerung (Hans Sachs), die Auseinandersetzung zwischen dem Gestrigen und dem Beschreiten neuer Wege in der Kunst schlechthin. Natürlich gibt es auch eine Liebesgeschichte.

Sehr interessant war für mich
der Exkurs in den Meistergesang. Die Entwicklung des Minnelieds der Ritter, die Sache mit dem "eigenen Ton". Das wusste ich nicht, bzw habe es noch nie so genau gelesen wie bei Frieling.

Auch dass Richard Wagner
ein ziemlich verklemmter und von Ängsten getriebener Mensch war, wird nicht ausgelassen und eindringlich beschrieben. Wieder eine gelungen Einführung für junge Menschen, damit sie Zugang zu Wagner und seinen Werken bekommen können. Leicht verständlich geschrieben, könnte das Buch wirklich verführen, sich die Meistersinger einmal anzusehen, anzuhören. Denn opulent ist die Oper allemal mit einer Menge Agierender auf der Bühne. 

Elsa Rieger  


Der Autor

Ruprecht Frieling ist ein unkonventioneller deutschsprachiger Autor, Verleger und Produzent. Der »Grandfather des Self-Publishings« publizierte mehr als 40 in mehrere Sprachen übersetzte Bücher mit breit gefächerter Thematik. Er bloggt, fördert Talente und ist als Berater tätig. 

Ruprecht Frieling, Die Meistersinger von Nürnberg

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